YMYL-Websites sind längst kein Randthema mehr. Wer Inhalte zu Geld, Gesundheit oder anderen sensiblen Lebensbereichen veröffentlicht, bewegt sich in einem Bereich, den Google besonders genau prüft. Warum ist das so? Weil hier Fehler nicht nur ärgerlich, sondern im schlimmsten Fall auch schädlich sein können.

Google YMYL Websites
Google YMYL Websites. Photo by Firmbee.com from Pexels

 

YMYL-Sites und der Qualitätsfaktor

Google behandelt YMYL-Seiten mit besonderer Sorgfalt. Das ist kein Zufall und auch keine Laune des Algorithmus, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf die Bedeutung dieser Inhalte. Wer Informationen zu Finanzen, Gesundheit oder rechtlichen Fragen sucht, erwartet Verlässlichkeit. Genau daran misst Google solche Seiten.

Zu den YMYL-Sites zählen übrigens auch Nachrichtenportale. Denn auch aktuelle Berichterstattung kann Meinungen prägen, Entscheidungen beeinflussen und im Zweifel weitreichende Folgen haben.

Google YMYL Suche. Video by Kreative Kingdom from Pexels

Welche Sites sind YMYL?

Wenn Ihre Website in diesen Bereich fällt, schaut Google genauer hin. Dann reicht es nicht, nur Inhalte zu veröffentlichen. Es geht auch darum, wie diese Inhalte aufgebaut sind, wer sie erstellt hat und ob sie glaubwürdig wirken.

YMYL steht für Your Money or Your Life. Gemeint sind Seiten, deren Inhalte das Leben, die Gesundheit oder die finanzielle Situation eines Nutzers beeinflussen können.

Typische YMYL-Themen sind:

  • Nachrichten zu wichtigen Ereignissen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder Technologie
  • Rechtliche Informationen und Hinweise zu juristischen Fragen
  • Behördliche oder staatliche Websites mit relevanten Informationen
  • Finanzthemen wie Investitionen, Steuern oder Geldverdienen
  • Seiten rund um den Kauf von Waren, auch wenn es nicht direkt um einen Shop geht
  • Gesundheitsbezogene Inhalte aller Art

Es geht also um Themen, bei denen falsche oder ungenaue Informationen Schaden anrichten können. Genau deshalb gelten hier strengere Maßstäbe. Mehr dazu findet sich auch im englischen Leitfaden für Quality Rater von Google.

Seit wann definiert Google YMYL-Sites?

Der stärkere Fokus auf solche Seiten wurde spätestens im August 2018 deutlich. Damals sorgte das sogenannte Medical Update für Aufmerksamkeit. In der Praxis betraf es jedoch nicht nur medizinische Inhalte, sondern eine ganze Reihe von Themen, die unter YMYL fallen.

Anforderungen an YMYL-Sites

Wenn klar ist, was YMYL bedeutet, stellt sich die eigentliche Frage: Was erwartet Google konkret? Die Antwort lässt sich auf einen Kernpunkt verdichten: Vertrauen muss sichtbar werden. Und zwar nicht nur auf der Startseite, sondern auf der gesamten Website.

E-A-T steht für Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness.

E-A-T: Kompetenz, Autorität, Vertrauen

Bei YMYL-Seiten zählt nicht nur, wo ein Inhalt veröffentlicht wird, sondern auch wer ihn verfasst hat. Genau hier wird es spannend. Denn eine gute Domain allein reicht nicht, wenn die Autorenschaft unklar bleibt.

E-A-T Autorschaft

Autorschaft gewinnt an Wichtigkeit

Es kommt nicht mehr nur auf die Quelle an, in der das Material veröffentlicht wird, sondern auch auf den Autor

E-A-T Autorschaft. Photo by Dziana Hasanbekava from Pexels

 

Fachwissen (Expertise)

Die erste Frage lautet: Verfügt der Autor tatsächlich über Fachwissen? Gerade bei sensiblen Themen sollte das nicht offen bleiben. Qualifikationen, Berufserfahrung, Abschlüsse oder andere nachvollziehbare Hinweise helfen dabei, Kompetenz sichtbar zu machen.

In der Praxis ist dafür oft eine Autorenseite sinnvoll. Dort lassen sich Hintergrund, Schwerpunkte und weitere Beiträge bündeln. Das wirkt nicht künstlich, sondern schlicht sauber.

Autorität

Fachwissen ist wichtig, aber nicht alles. Google schaut auch darauf, ob eine Person oder Quelle in ihrem Themenfeld als Autorität wahrgenommen wird. Ein guter Arzt, ein erfahrener Finanzautor oder eine Fachredaktion kann inhaltlich stark sein und trotzdem online kaum Spuren hinterlassen. Dann fehlt ein Teil des Signals.

Hilfreich sind unter anderem:

  • nachvollziehbare Bewertungen oder Erwähnungen im Netz
  • eine klare thematische Positionierung des Autors
  • eine konsistente Darstellung der Expertise auf der Website

Vertrauen (Trust)

Vertrauen ist am Ende der entscheidende Punkt. Die Website muss als glaubwürdige Quelle wahrgenommen werden. Dazu gehören geprüfte Inhalte, transparente Angaben und ein sorgfältiger Umgang mit Quellen.

Auch Bewertungen spielen eine Rolle. Wenn Nutzer positive Rückmeldungen geben, ist das ein zusätzliches Signal. Natürlich ersetzt das keine saubere Redaktion, aber es stützt den Gesamteindruck.

Google beschreibt in den Rater-Richtlinien grundlegende E-A-T-Anforderungen für unterschiedliche Themenfelder. Diese Hinweise sind kein starres Rezept, aber eine sehr brauchbare Orientierung.

Tabelle Google Empfehlungen für E-A-T Websites

AusrichtungEmpfehlungen
MedizinNachweis von Fachkenntnissen, professioneller Schreibstil, Aktualität
NewsDie Richtlinien der Redaktion und das Überprüfungsverfahren werden beschrieben, verständliche Faktenaufbereitung, Datenintegrität
Recht und FinanzenZuverlässige Quellen, Aktualitätsprinzip bei der Contentpräsentation
WissenschaftFachwissen, ggf. Übereinstimmung mit der anerkannten wissenschaftlichen Meinung
FAQZuverlässige Quellen, Erfahrung
HobbyKompetenz und Erfahrung

 

Checkliste für YMYL Sites

E-A-T ist wichtig, aber eben nur ein Teil des Ganzen. Wer YMYL-Inhalte betreibt, sollte die Website als Gesamtsystem betrachten. Einzelne gute Texte helfen wenig, wenn drumherum Transparenz, Technik oder Aktualität nicht stimmen.

1. Informationsgehalt

Die Seite muss den Nutzerintent wirklich erfüllen. Ein Artikel sollte nicht nur Text liefern, sondern je nach Thema auch Bilder, Tabellen, Videos oder Studien einbinden. Bei Produktseiten gehören Preis, Spezifikationen und weitere relevante Details dazu.

2. Userfreundlichkeit

Informationen müssen leicht auffindbar sein. Klingt banal, ist aber oft der Knackpunkt. Wenn Nutzer lange suchen müssen, sinkt die Qualität der Seite aus Sicht von Mensch und Suchmaschine gleichermaßen.

3. Technischer Zustand der Website

Schnelle Ladezeiten, eine saubere mobile Darstellung und möglichst wenige technische Fehler sind Pflicht. Gerade bei YMYL-Seiten wirkt sich ein schwacher technischer Zustand schnell negativ aus.

4. Relevanz der Informationen

Inhalte sollten aktuell bleiben. Gerade Seiten mit gutem Traffic profitieren davon, wenn Artikel regelmäßig überprüft und bei Bedarf aktualisiert werden.

5. Autorenunterseiten

Eine gute Autorenseite enthält mehr als nur einen Namen. Sinnvoll sind ein Foto, eine kurze Vorstellung, die bisherigen Artikel und Kontaktmöglichkeiten. So wird Fachwissen greifbarer.

6. Kontakte

Kontaktinformationen sollten ohne Umwege erreichbar sein. Wer Vertrauen aufbauen will, versteckt sich nicht.

7. Zusätzliche und bildende Inhalte

Hilfreiche Zusatzseiten können einen echten Unterschied machen. Dazu zählen etwa Lieferbedingungen, Anleitungen oder erklärende Übersichtsseiten.

8. Online-Bewertungen

Bewertungen sollte man im Blick behalten. Negative Rückmeldungen können sich auf die Wahrnehmung der gesamten Website auswirken. Das heißt nicht, dass man jede Kritik vermeiden kann. Aber man sollte sie ernst nehmen und sauber darauf reagieren.

9. Backlinks

Auch das Linkprofil gehört zur Gesamtbewertung. Verweise von seriösen, thematisch passenden Quellen können die Glaubwürdigkeit stützen. Entscheidend ist dabei Qualität, nicht bloß Menge.

10. Ausgehende Links

Verlinken Sie auf maßgebliche Quellen oder Expertenbeiträge, wenn sie den Inhalt sinnvoll ergänzen. Das wirkt nicht schwächer, sondern oft gerade glaubwürdiger.

Kurz zusammengefasst

Die Checkliste ist kein Zaubertrick, aber sie hilft sehr dabei, YMYL-Seiten stabiler aufzustellen. Wichtig ist: Jede Website ist anders. Bevor Sie etwas ändern, sollten Sie die eigene Seite und die Konkurrenz genau ansehen.

Kommen wir nun zu den Beispielen

Case SEO für Sportwetten

Im Juli 2020 kam ein „graues“ Projekt in die Suchmaschinenoptimierung: ein Aggregator für Buchmacherbüros mit Sportprognosen. Die Aufgabe war klar: Der Traffic sollte wieder steigen, denn zuvor war er spürbar zurückgegangen.

Sport. Video by cottonbro from Pexels

Auch wenn Suchanfragen rund um Wettbüros oft attraktiver wirken, ist dort der Wettbewerb entsprechend hoch. Deshalb wurde nicht nur an den Buchmacherseiten gearbeitet, sondern auch an der Rubrik Sport.

Als Erstes wurden die wichtigsten Wettbewerber in der Nische identifiziert und miteinander verglichen. Daraus entstanden konkrete Empfehlungen für den Bereich Sportprognosen.

Aus der Analyse ergab sich unter anderem Folgendes:

  • Alle Prognosen sollten den Namen des Autors enthalten. Auf der Kundenseite liefen sie bisher unter dem Firmennamen.
  • Die Seiten brauchten mehr Informationen über die Person hinter der Prognose.
  • Es gab zwar einen konkreten Verfasser, aber öffentlich sichtbar waren nur Vor- und Nachname.
  • Eine eigene Expertenprofilseite wurde geprüft.
  • Die Prognoseseiten hätten mehr analytische Daten enthalten sollen, etwa zu Spielen, Ergebnissen und Entwicklungen.
  • Auch Angaben zu Quoten oder zur Gültigkeit einer Wette wären sinnvoll gewesen, weil sie den Inhalt für Besucher deutlich nützlicher machen.
  • Zusätzliche Links zu Vorhersageseiten und Foren mit Bezug zur Glaubwürdigkeit von Prognosen wurden empfohlen.
  • Nach der Ausarbeitung der Empfehlungen folgte ein technisches Audit der Website. Dabei wurden mehrere Fehler behoben, um die Ladegeschwindigkeit zu verbessern.

Nach der Umsetzung dieser Maßnahmen im August und September 2020 zeigten sich die Ergebnisse recht schnell. Das bestätigte die Annahme, dass eine bessere E-A-T-Ausrichtung den Traffic positiv beeinflussen kann. Ganz abgeschlossen war das Projekt damit aber noch nicht.

Case SEO für eine Website mit medizinischen Informationen

Im Juni 2019 meldete sich eine Website mit medizinischen Informationen. Sie war von einem Google-Update betroffen. Der Rückgang zeigte sich ausschließlich bei Google, und der zeitliche Verlauf deutete auf einen Zusammenhang mit YMYL hin.

Medizin. Video by cottonbro from Pexels

Um die Situation zu verbessern, wurde zunächst ein technisches Audit durchgeführt. Dabei wurden unnötige Seiten entfernt und die Ladegeschwindigkeit erhöht.

Parallel dazu lief eine Wettbewerbsanalyse. Auf dieser Basis wurden Empfehlungen zur Verbesserung der YMYL-Seiten entwickelt und umgesetzt.

Folgende Punkte standen dabei im Fokus:

  • Datenschutz, Kontakt und die Seite „Über uns“ wurden deutlich überarbeitet.
  • Die Autorenseiten wurden verbessert und die Autoren direkt in die Artikel eingebunden.
  • Zusätzlich zum Autor wurde ein Redakteur ergänzt, der als Experte für das Thema auftritt.
  • Veröffentlichungs- und Aktualisierungsdatum werden nun angezeigt.
  • Quellenangaben wurden ergänzt, um die Verlässlichkeit der Informationen zu stützen.
  • Auch die Meinungen von Ärzten wurden aufgenommen.
  • Das Linkprofil wurde geprüft; teilweise wurden schlechte Links entfernt oder per Disavow behandelt.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten.

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Ergebnisse

Wie die beiden Fälle zeigen, braucht es keine spektakulären Maßnahmen, um verlorenen Traffic zurückzugewinnen. Die Themen waren unterschiedlich, die Grundarbeit aber sehr ähnlich. Und ja: Es war einiges zu tun.

Im Kern ging es darum, Google klarzumachen, dass die Inhalte zuverlässig sind und von anerkannten Fachleuten stammen.

Deshalb sollte man neue Google-Updates nicht als Bedrohung sehen. Sinnvoller ist es, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen, Rankings und Wettbewerber zu analysieren und daraus saubere Empfehlungen abzuleiten. Genau dort beginnt gute SEO-Arbeit.

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