UX – Nutzerverhalten auf dem Prüfstand

Veröffentlicht in: Suchmaschinenoptimierung, am: 4 September 2015 | 1 Comment |
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Unter Begriff UX (User Experience) fasst man im Allgemeinen Erfahrungen der Nutzerinteraktionen mit einem IT-Produkt. In Bezug auf Websites sind das die Daten über das Nutzerverhalten der Seitenbesucher.

Besonders interessant wird es für Suchmaschinenoptimierung, weil moderne Suchmaschinen UX immer mehr Wichtigkeit zuteilen. Das Konzept ist hier scheinbar einfach: Suchmaschinen schauen bei der Bewertung von Sites und Vergabe der Rankings immer mehr auf das Nutzererlebnis. Der Gedanke dabei: wenn die Nutzer die Website lieben, dann sollten Suchmaschinen die Website auch lieben.

In diesem Artikel werden wir aufzeigen, wie bedeutsam das Verhalten der Nutzer als Rankingfaktor geworden ist, wie es sich mit dem Algorithmus BrowsRank verhält und warum John Müller von Google aber dennoch sagt, dass Aktionen von Nutzern auf einer Website keinen Einfluss auf das Ranking haben.

User Experience

User Experience (c) Bildquelle: flickr / Mike Licht / CC BY 2.0

 

Arten von Verhaltensfaktoren

Eine komplette Liste der Verhaltensfaktoren mit allgemeingültiger Wirkung zu erstellen, ist eine Sache der Unmöglichkeit.

Jedoch lässt sich SEO-relevantes UX in solches einteilen, das gemessen werden und als Off-Page (extern, s.g. Klickfaktoren) oder On-Page (intern, auf der Seite selbst) Verhaltensfaktoren bezeichnet werden kann.

Offpage Faktoren

Zu den Offpage-Faktoren gehören die Aktionen der Nutzer auf der Suchseite der Suchmaschine:

  • CTR eines Snippets in den Suchergebnissen von Google
  • Letzter oder einziger Klick?
  • Erfolgte Rückkehr zu den Suchergebnissen?

Onpage Faktoren

Faktoren des Nutzerverhaltens auf der Site sind die s.g. Onpage-Faktoren und zwar:

  • die Zahl der Besucher
  • die durchschnittliche Anzahl der aufgerufenen Seiten
  • die Anzahl der gleichzeitig geöffneten Seiten
  • das Verhältnis vom Traffic „unserer Website“ im Verhältnis zu den Websites der gleichen Branche
  • Seitenbesucher nicht aus den Serps sondern über Bookmarks, Backlinks, direkte Browsereingabe etc.
  • Benutzeraktionen (Klicks, Kommentare, Ausfüllen von Formularen)
  • die Popularität der Website
  • Ladegeschwindigkeit von Seiten
  • Anzahl der Rückkehrer
  • Bounce-Rate
  • Häufigste Ausstiegsseiten von der Website
  • die durchschnittliche Verweildauer auf den einzelnen Unterseiten

Jeder Klick wird analysiert – Was ist Nutzerverhalten?

Woher nimmt Google die Daten über Ihre Besucher?

Was Daten zu den Off-Page Faktoren angeht, ist hier alles klar, natürlich weiß Google, was User in den Suchergebnis-Seiten machen.

Zu den On-Page Faktoren: einige denken, dass die Offpage Faktoren auf den Suchergebnis-Seiten den Suchmaschinen ausreichen sollten und es keine Notwendigkeit besteht, das Nutzerverhalten innerhalb von Websites zu analysieren.

Andere sagen dazu, dass Suchmaschinen Browser, Toolbars, Analyse-Tools etc. nicht umsonst der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung stehen und es wäre schon albern, wenn sie nicht aus diesen Quellen gewonnenen Informationen nutzen würden.

Lesen Sie dazu: Die Suchmaschinenbrowser und das Nutzerverhalten

Wie funktioniert der Algorithmus BrowseRank?

Blickt man zurück ins Jahr 2008, dann kann man sehen, dass hier bereits Microsoft eine Studie in Auftrag gegeben hat, bei der man feststellen wollte, wie sehr Google Nutzerverhalten als Rankingfaktor berücksichtigt. Hierzu beauftragte man Universitätsprofessoren.

Aus der Studie folgerte man, dass der Algorithmus BrowseRank einen Graph bildet, bei dem der Weg der Besucher berücksichtigt wird. Im Monitor sind dabei: URL, Besuchsdauer, die Art des Klicks (Eingabe der URL im Browser oder der Klick auf einen Link). Dabei wird das s.g. Markov-Modell mit kontinuierlicher Zeit verwendet.

BrowseRank

Der Graph, der ein Bewegungsprofil des Besuchers erstellt – BrowseRank

 

Die Studie ergab, dass der BrowseRank besser gegen Spam resistent ist, als das PageRank und Trustrank. Darüber hinaus bieten verhaltensbedingte Faktoren eine zuverlässigere Bewertung der Nutzerpräferenzen, sprich das, was der Nutzer wirklich auf der Website macht. Hingegen die Anzahl der eingehenden Links, nicht den Nutzer spiegeln. Das Experiment wurde stichprobenartig an 8000 Suchanfragen und drei Personen durchgeführt.

Relevanz vs. Wichtigkeit

Grob gesagt, vergeben Suchmaschinen Rankings nach zwei Hauptkriterien – Bedeutung und Wichtigkeit. Dies kann als eine lineare Kombination dargestellt werden. Die Ergebnisse der Arbeitsweise vom Algorithmus BrowseRank zeigten auf, dass er Seiten effizienter bewertet, bis zur völligen Unterdrückung der Bedeutung der Wichtigkeit-Faktoren durch Relevanz-Faktoren.

Weitere Erkenntnisse:

Es ist klar, dass Metriken Absprungrate oder Verweildauer auf der Site nicht immer das genaue Nutzerverhalten der Besucher darstellen können, sich jedoch auch hierüber Rückschlüsse aufbauen lassen.

Bei Websites, die beispielsweise eine konkrete Frage beantworten, ist die Verweildauer entsprechend kurz und es wird wenig geklickt.

Für eine Nachrichten-Website oder ein Blog ist jedoch die Verweildauer oder auch das Weiterklicken in den Beiträgen oder Nachrichten schon als Gradmesser für die Qualität der Website anzusehen. Besucher, die hier in die Tiefe gehen, werden als am Angebot interessiert angesehen.

Lesen Sie auch: Wenn User zu schnell abspringen. 9 Wege, wie man die Bounce Rate reduziert!

Es folgt eine logische Schlussfolgerung: Die unterschiedlichen Websites, mit ihren ebenso diversen Angeboten, werden nach verschiedenen Kriterien beurteilt.

Erwartungen der Suchmaschinen über das Verhalten der User auf einer Website unterscheiden sich in Abhängigkeit vom Themengebiet der Website und Suchanfrage

Nichts ist aus der Sicht eines Besuchers lästiger, als sich erst mehrfach durch eine Site klicken zu müssen, um an simple Informationen zu kommen. Man geht davon aus, dass Algorithmen der Suchmaschinen das erkennen können bei zu vielen nötigen Klicks bei entsprechenden informativen Anfragen Angebote im Ranking abwerten können. Bei einer einfachen Frage, ist im Prinzip davon auszugehen, dass sie vielleicht mit einem oder zwei Klicks abrufbar wird, damit eine Website als Angebot mit Nutzwert angesehen wird.

Somit unterscheiden sich Erwartungen der Suchmaschinen über das Verhalten der User auf einer Website in Abhängigkeit von Themengebiet der Website und Suchanfrage (zumindest sollten sie das).

Morning Coffee

Coffee related (c) Bildquelle: flickr / trophygeek / CC BY 2.0

 

Neuheiten- oder Aktualitäts-Faktor im „Fresh BrowseRank“

Im Jahr 2013 veröffentlichte ein Team der russischen Suchmaschine Yandex eine Methode zum Ranking von Websites, die unter dem Namen „Fresh BrowseRank“ bekannt wurde. Dieser umfasst nicht nur den Faktor Zeit bei einer Site, sondern auch Bewertungen anhand eines Aktualitätsprinzips der Veröffentlichungen. Entstehen neue Unterseiten mit einem aktuellen Bezug, kommen sie vielfach aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Sport, Wissenschaft etc., sind sie womöglich relevant.

Wie entsprechende Studien zeigten, sind die Graphen deutlichen Schwankungen im Zeitverlauf unterworfen. Daher werden im BrowseRank diese Schwankungen berücksichtigt. Was am Morgen noch relevant war, kann sich am Abend oder am nächsten Tag bereits signifikant abgeschwächt haben.

Die Studie wurde, basierend auf tagesrelevanten Suchanfragen mit realen Nutzern durchgeführt. Auf Seiten von Yandex haben dabei Gutachter (Asessoren) in der Beurteilung die Kriterien des Aktualitätsprinzips und Tagesrelevanz angelegt, sprich verfügen die angezeigten Suchergebnisse den Kriterien, die man seitens der Suchmaschine an den zum Zeitpunkt der Abfrage angezeigten Suchergebnisse legt. Sämtliche Daten wurden übrigens über die Yandex-Toolbar gewonnen.

Nachdem der Lernalgorithmus entsprechend angepasst wurde, ergaben sich unter dem Aktualitätsprinzip im BrowseRank wesentlich bessere Ergebnisse.

Lesenswert: Yandex, Backlinks, Nutzerverhalten. Eine neue SEO-Realität in Russland

Google berücksichtigt keine On-Page-Faktoren?

John Müller ist neben Mat Cutts immer wieder auch jemand, der sich mit neuen Informationen an die SEOs dieser Welt wendet. Das findet in Regelmäßigkeit über die so genannten Google Webmaster Hangouts statt. An diesen offenen Videokonferenzen, kann jeder Interessierte teilnehmen. Zum Thema Nutzerverhalten als Rankingfaktor, gab man sich jedoch eher zugeknöpft. Laut Müller soll das Nutzerverhalten keinerlei Auswirkungen auf Rankings bei Google haben.

Hier war es konkret eine Frage zum Thema Nutzerverhalten und Ranking eines Admins:

„Als Webmaster einiger Websites, frage mich, ob es sein kann, dass Besucher meiner Website und deren Verhalten Auswirkungen auf das Ranking haben kann? Wenn sich Nutzer lange auf meiner Site aufhalten, lange Beiträge lesen und anschließend sogar noch ein Formular online ausfüllen, ist das doch ein Zeichen dafür, dass das Angebot auf ihn zugeschnitten ist und einen Mehrwert darstellt?“

John Müller:

„Insgesamt glaube ich das nicht, wir können nicht sehen, was User genau auf Seiten tun. Ob sie ein Formular ausfüllen oder einen Kauf abwickeln. Was wir nicht sehen, können wir auch nicht genau berücksichtigen. Aus meiner Sicht stellt das keine Rankingfaktoren dar, die man berücksichtigen sollte.

Obwohl das natürlich positiv für Sie als Betreiber und auch für die Besucher zu sehen ist, dass sie sich für ein Angebot interessieren und für Sie ein Indikator, dass sie das Richtige tun. Also, ich würde das insgesamt als positive Entwicklung sehen. Aber das bedeutet nicht, dass Google Aktionen von Nutzern für das Ranking berücksichtigen könnte, um Websites in den SERPs automatisch zu fördern.“

(Im Video auf der 38. Minute)

Lesen Sie auch: Vom Märchen, dass Likes & Shares keinen Einfluss aufs Ranking hätten

Arbeitet Google an einem neuen Algorithmus?

Skeptiker bezweifeln Googles Statement zum Nutzerverhalten. Es klingt alles danach, als wäre es Google völlig egal, wie Nutzer sich auf Websites verhalten und das keinen Einfluss auf das Ranking darstellen würde. Aber diese Statements von Google scheinen nur in Teilen zuzutreffen. In Anbetracht der jüngsten Veröffentlichungen von Bill Slawski, wäre das auch nicht nachvollziehbar.

Slawski schreibt, dass Google bereits über einen fertigen Ranking-Algorithmus verfügt, der auf das Nutzerverhalten bei Videos von Youtube abzielt und dortiges Nutzerverhalten sehr wohl als Rankingfaktor sieht. Warum sollten sich diese Parameter beim Video nicht auch auf die Nutzeroberfläche eines Desktops anwenden lassen, auf dem es ja auch Angebote gibt, Interesse oder nicht, Verweildauer, Absprungverhalten… Die Vermutung liegt hier wirklich sehr nahe, dass sich das Ganze auf andere Bereiche ausweiten wird.

Google Youtube Algorithmus

Google Youtube Algorithmus

 

Tipps für Verbesserungen vom Nutzerverhalten

Analog zu den Googles Empfehlungen zu Videos, folgt eine Liste von Tipps für Verbesserungen vom Nutzerverhalten auf Ihren Seiten.

  • Messen Sie die Zeit, die Nutzer auf bestimmten Angeboten verbringen
  • Verwenden Sie den Yandex Webvisor, um zu sehen, wie Menschen mit Ihren Inhalten interagieren
  • Vergleichen Sie Dokumente miteinander und versuchen Sie herauszufinden, warum bestimmte Inhalte besser als andere laufen. Hier können Sie konkret ansetzen und Inhalte verbessern
  • Halten Sie das Publikum mit interessanten und redaktionell betreuten Beiträgen
  • Ziehen Sie mit einer guten Überschrift und Einleitung die Aufmerksamkeit der Besucher Ihre Beiträge
  • Verwenden Sie mehr Medieninhalte und Video Bewertungen auf den Seiten
  • Schaffen Sie Verbindungen zwischen verschiedenen Inhalten und einen Übergang zu anderem Content
  • Schaffen Sie Anreize für das Verfassen von Kommentaren und Interaktion zwischen dem Publikum

Anleitung für eine perfekte interne Verlinkung von Hand

Diese Punkte gilt es bei einer guten Website zu berücksichtigen:

  • Nutzen. Die Website muss die beste Antwort auf die Bestimmte Suchanfrage geben
  • Design
  • Nützliche Inhalte
  • Artikel
  • Video
  • Infografik
  • Zusatzfunktionen (z. B. Online-Rechner)
  • Bewertungen
  • Arbeiten mit Snippets
  • Verringerung der Seitenladezeit
  • Überflüssige Unterseiten entfernen – nichts Nutzloses auf der Site lassen
  • Attraktive Interne Verlinkungen (erhöht die Verweildauer)

Führen Sie eine technische Überprüfung durch und beheben sie Fehler. Stellen Sie neues Material auf die Website. Die Website sollte den Benutzer ermutigen, Aktionen durchzuführen. Das kann ein Kommentar sein, aber auch das Betrachten eines Videos. Ihre Besucher werden es zu schätzen wissen. Die Suchmaschinen auch.

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