Die Suchmaschinenbrowser und das Nutzerverhalten

Veröffentlicht in: Suchmaschinenoptimierung, am: 18 Januar 2014 | 2 Comments |
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Jeder weiß, es gibt nur wenige Suchmaschinen, Baidu in China, Yandex und Google in Russland und im Rest der Welt so gut wie nur Google. Bei den Internetbrowsern sieht es ähnlich aus, da teilen das Hauptgeschäft der Internet Explorer von Microsoft und Firefox den Markt unter sich auf. Es gibt wenige Mitbewerber und eigentlich ist der Markt nahezu monopolistisch geprägt.

Yandex Browser

Yandex Browser

 

Yandex.Browser

Am 1. Oktober 2012 hat Yandex einen eigenen Browser vorgestellt. Yandex.Browser basiert auf Chromium, einem quelloffenen Projekt und dem WebKit Engine. Beide Plattformen sind Open Source. Für eine optimale Darstellung der Inhalte für Benutzer mit langsamer Internet-Anbindung wird „Opera Turbo“ verwendet.

Auf Chromium-Basis ist aber auch Googles Browser Chrom programmiert! Google selbst nimmt keine Stellung zu dem Thema und begrenzt sich auf übliche Floskeln

„… Chromium, die offene Plattform ist dafür da, um Browser zu entwickeln. So wird es interessant sein, die Meinung der Yandex-Vertreter über die Plattform zu lesen.“

Yandex Browser aus anderer Sicht

Yandex.Browser aus anderer Sicht. Die Kugel links ist das neue Yandex.Browser-Logo… Überschrift: Vielen Dank, dass Sie sich für den neuen Yandex.Browser entschieden haben. Quelle: joyreactor .cc

 

Yandex arbeitet am eigenen Browser, um seine Marktpräsenz zu erhöhen. Demzufolge sind die Aussichten, die der Leiter der Yandex Mobile und Software-Produkte, Tigran Khudaverdyan zeichnet, positiv.

„Wir bauen nicht nur ein einzelnes Produkt auf, sondern möchten eine Einheit zwischen Suchmaschine und Browser werden. Yandex-Suche, weitere Yandex-Produkte und der Browser müssen irgendwann zum „Fenster ins Internet“ für Internetsurfer werden.“

So glaubt man den Erfolg von Google Chrome wiederholen zu können, aber nicht nur das.

Yandex vs. Google

Yandex hat in Russland derzeit einen Marktanteil von über 60 Prozent und schlägt Google, deren Anteil auf etwas über 26 Prozent geschrumpft ist. Beim Nachbarn Ukraine konnte Yandex keine derartigen Marktanteile erzielen, hier liegt Google mit rund 60 Prozent bei den Suchmaschinen vorne und Yandex hat etwas über 28 Prozent.

Den eigenen Browser braucht Yandex, um Positionen auf dem Heimatmarkt zu halten und die Verbesserung der Situation auf anderen Märkten zu erwirken. Yandex möchte die Aufmerksamkeit des Benutzers für eigenen Browser mit vielen bequemen Lösungen gewinnen.

„Im Browser sind Such-und Navigations Tipps von unseren Services eingebettet, in die Adressleiste kann man sowie URL’s als auch Anfragen eingeben, ohne sich Gedanken über das Tastatur-Layout oder die Sprache zu machen. Der eingebaute Übersetzer kann einzelne Wörter und ganze Webseiten übersetzen. Integrierte Lösungen von „Kaspersky Lab“ ermöglichen sicheres Surfen und Herunterladen“

– zählt Khudaverdyan die Vorteile auf.

Warum noch einen weiteren Suchmaschinenbrowser?

Fragt man normale Internetnutzer, die Mozilla Firefox, Microsofts Internet Explorer, Google Chrome, Apple Safari oder Opera nutzen, ob sie noch einen Browser brauchen, kommt häufig die Antwort, dass es keinen bestimmten Grund dafür gebe. Was will Yandex noch mit seinem Browser erreichen?

Es ist bekannt, dass der Yandex.Browser Daten der Nutzer sammelt und diese auch kommerziell verwertet. Dass man genau wissen möchte wer, wann und wo, auf welchen Seiten war, wurde kürzlich auch von einem ehemaligen Mitarbeiter von Yandex, Roman Kozlov bestätigt, der für alle russischen Suchmaschinen gearbeitet hat, sogar für die, die noch nicht erschienen sind (hiermit ist sicherlich „Sputnik“ gemeint).

Roman Kozlov

Roman Kozlov, All in Top Conf 2013. Quelle: searchengines .ru

 

Auf der All in Top Conf 2013 verriet er einiges über die Geschichte, die neue Ausrichtung von Browsern, sowie auch darüber, wer und wofür sie nutzt.

Roman Kozlov in "Startup"?

Roman Kozlov in „Startup“? Ein Bild aus dem Trailer

 

[Verdammt, er sieht dem Computer Nerd aus dem Trailer zum russischen Film „Startup“ erschreckend ähnlich aus! Wow, das gibt es wohl nicht, dieser Mann hat anscheinend das Yandex der ersten Stunde tatsächlich mit entwickelt!]

Toolbars

Dezember 2000, als Google die erste Google Toolbar veröffentlicht hat, war das Hauptproblem für den Suchriesen, sich selbst als eine große Suchmaschine auf dem Markt zu behaupten. Damals hatten Sie noch dieses Problem. Die technische Aufgabe bestand darin, den schnellen Zugriff auf alle Dienste mit einem Button zu ermöglichen, um so die Toolbar attraktiv zu machen.

Google Toolbar

Google Toolbar

 

Was nicht offensichtlich war: jeder Link, der mit Hilfe von Yandex, Google oder Bing Toolbar geöffnet wurde, wurde „nach Hause“ geschickt, an den Suchmaschinen-Crawler. So war es möglich, wirklich alle Inhalte, die auch nicht von außen verlinkt wurden, zu indexieren. Dies war damals die einzige Anwendung von Toolbars, hinsichtlich der Auswirkungen auf den Index.

Die Zeiten ändern sich. Mitte der 2000er waren Backlinks der wichtigste Ranking-Faktor. Das wichtigste war: alle Links zu kennen. Aber danach, nicht ohne den Einfluss von SEO’s wurde dieser Faktor immer unwichtiger, immer vager, immer verwaschener. Viel wichtiger wurde es zu wissen, wer was auf welcher Seite macht: das Nutzerverhalten.

Lesen Sie alles über „Yandex ohne Backlinks“:
SEO: Yandex verzichtet auf Backlinks!
Ohne Backlinks. Yandex Kriegserklärung an SEO’s?
SEO Yandex von Design4u

Die Toolbars kommen mit der Nutzerverhalten-Analyse schlecht zurecht. Sie lassen einen wissen, welche URL wo aufgerufen wurde, aber der Rest der Informationen ist zu umfassend für ein einfaches Plugin.

Google Chrome

„Ok!“ – sagte Google und brachte September 2008 Google Chrome auf den Markt. Es war ein Durchbruch. Chrome ist fest an alle Google-Dienste gebunden, außerdem weiß Google immer aktuelle Nutzer-Standortdaten, auch ohne Genehmigung der Nutzer. Yandex hat lange überlegt, startete im Jahr 2012 auch einen eigenen Browser, mit dem selben Ziel.

Google Chrome

Google Chrome

 

Gibt es „suchmaschinenunabhängige“ Browser?

Viele denken fälschlicherweise, dass die Verwendung anderer, „suchmaschinenunabhängiger“ Browser, wie Opera oder Firefox, dabei hilft sein Profil im Internet zu verstecken und keine Spuren zu hinterlassen. Firefox liefert jedoch alles an Google, behauptet Kozlov, und Google weiß, wo wer ist und was wer macht. Firefox lieferte diese Informationen früher auch an Yandex, dann wurde diese Zusammenarbeit aber beendet.

Ein Umstand, der einem dann doch zu denken gibt, ist der, dass Firefox laut Wikipedia, als gemeinnützig anerkannte Stiftung in den USA, abhängig von Spendengeldern, im Jahre 2007 rund 85 Prozent der gesamten Spendengelder von einem edlen Spender bekommen hat: Google! Es verwundert möglicherweise einen auch sehr, dass Google, die ja mit Google Chrome einen eigenen Webbrowser lanciert habt, trotz dieser Konkurrenzsituation mit Firefox so eng zusammenarbeiten.

„Spiegel Online“ berichtete, dass in den Verträgen Google als Gegenleistung für die Zusammenarbeit unter Anderem im Firefox-Browser als Standardsuchmaschine voreingestellt war. Eine Zeit lang war das in Russland mit der integrierten Yandex-Suchmaschine in Firefox auch der Fall.

Nutzerprofile – und wie wir Spuren hinterlassen, die den Suchmaschinen wichtig sind

Was wollen Suchmaschinen über einen User unbedingt wissen? Der wichtigste Bestandteil des Nutzerprofils ist die genaue geografische Position des Users und der Abfrage. Ein sehr wichtiger Faktor, besonders für mobile oder für personalisierte (keine bzw. weniger content-bezogene) Werbung.

Die Suchmaschinen und das Nutzerverhalten:
Yandex, Backlinks, Nutzerverhalten. Eine neue SEO-Realität in Russland
Jeder Klick wird analysiert – Was ist Nutzerverhalten?

Ebenso wie die Dauer, die auf einer Website verbracht wurde und Dinge, wie Scrollen, Absprungverhalten, spielen eine Rolle. Es geht wirklich ins Detail: hat der Nutzer Lesezeichen gespeichert, Navigation angeklickt und wie sieht der Verlauf/Chronik der besuchten Websites aus?

Der „Weg eines Nutzers“

Die interessanteste Sache ist jedoch der „Weg eines Nutzers“, sprich, die gesamte Benutzer-Session. Nicht eine Seite, die angezeigt wurde, sondern die gesamte Art zu surfen. Wo ist der Nutzer eingestiegen, mit einem Lesezeichen, einer Suchanfrage, welche Kette von besuchten Seiten ergibt sich.

Alle Suchmaschinen versuchen diese Kette nachzuvollziehen, weil dieser Faktor, die benutzerdefinierte Aktion, was der Benutzer macht, alles verbindet. Es macht möglich, auch die Seiten zu monitoren und auf verschiedene Faktoren hin zu analysieren, die nicht im Suchindex sind, wie beispielsweise ein Warenkorb im Online Shop.

Die Backlinks sind sozusagen vom Aussterben bedroht. Sie werden immer weniger relevant. Alles läuft darauf hinaus, wohin Internetnutzer steuern und wie sie es machen. Die Gier nach mehr und mehr Informationen. Daher Browser.

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2 Kommentare zum Beitrag : Die Suchmaschinenbrowser und das Nutzerverhalten

  1. Roman Kozlov sagt:

    Hello, my name is Roman Kozlov, i’m the guy mentioned above.
    I’m work with Google at 2003, and at Yandex until 2007, now working other projects in Asia (check coccoc.com as one on my projects).
    The point of my presentation was ALL current branded browsers (Chrome first) is used to spy you actions to make more „relevant“ search results, and can be used as a SEO tools instead.
    Feel free to contact me by this e-mail or Linkedin if you need some comments about this.
    PS: I know a lot of guys from Sputnik, but don’t have any relations to them.

  2. SEO Köln sagt:

    Hallo Roman, thanks for your comment!

    what exactly do you mean by „can be used as a SEO tools instead“? Who can use this data as SEO tools, webmasters or browser owners?
    I would like to contact you via LinkedIn, if you by chance have 15 minutes for a small interview?

    PS. Are you this guy from „Startup“-Trailer? 😉

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