Zusammenfassung
Laut der Financial Times hat Yelp eine neue Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen Google eingereicht. Darin wird dem Unternehmen vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung bei der lokalen Suche missbraucht zu haben.
Yelp fordert die Regulierungsbehörde auf, eine neue Untersuchung gegen Google einzuleiten und formelle Kartellgebühren zu erheben.
Im Allgemeinen sind Yelps Ansprüche fast identisch mit früheren Beschwerden gegen Google: Das Unternehmen bevorzugt systematisch seine eigenen Inhalte und verletzt seine Konkurrenten.
Anfang dieser Woche sagte der Mitbegründer und CEO Elp Jeremy Stoppelman im Programm „60 Minutes“ auf dem CBCNews-Kanal, dass Google den Wettbewerb bei der lokalen Suche in anderen Bereichen absichtlich schädige.
Eine andere Teilnehmerin des Programms, die EU-Kommissarin für Wettbewerb, Margrethe Vestager, stimmte dem zu und sagte, dass Google illegale Aktivitäten betreibt und es Beweise dafür gibt.
Zur Erinnerung: Yelp hat aktiv an der Kartelluntersuchung gegen Google teilgenommen, die 2010 eröffnet wurde. Eine Reihe von Google-Konkurrenten, darunter Microsoft, beschuldigte Google, die Suchergebnisse zugunsten ihrer Dienste und zum Nachteil der Konkurrenten zu manipulieren.
Zunächst war die Firma als Zeuge involviert und reichte 2014 eine offizielle Beschwerde gegen Google ein. Zu dieser Zeit wurde die Untersuchung von dem Vorgänger Vestager – Joaquín Almunia durchgeführt. Anders als Almunia schlägt Vestager eine härtere Gangart gegen Google und andere amerikanische IT-Unternehmen ein.
Derzeit sind in Europa gegen Google zwei Untersuchungen anhängig: im Fall von Android und im Fall von AdSense. Wenn die Europäische Kommission Yelps Beschwerde annimmt, kann eine dritte Untersuchung eingeleitet werden – dann im Bereich der lokalen Suche.
Warum der Fall für Google heikel bleibt
Gerade die lokale Suche ist für viele Nutzer der Punkt, an dem aus einer einfachen Suchanfrage schnell eine konkrete Entscheidung wird: Restaurant, Dienstleister, Arzt, Werkstatt. Wer hier sichtbar ist, gewinnt nicht nur Klicks, sondern oft auch Kunden. Genau deshalb ist der Vorwurf so brisant.
Für Google geht es damit nicht nur um eine weitere Beschwerde, sondern um die Frage, wie weit ein Plattformbetreiber eigene Angebote in den Suchergebnissen nach vorne ziehen darf. Für Wettbewerber wie Yelp ist das mehr als ein Detail. Es entscheidet im Alltag darüber, ob ein Dienst überhaupt noch wahrgenommen wird.
Worauf es jetzt ankommt
- ob die Europäische Kommission die Beschwerde offiziell aufnimmt
- ob daraus eine neue Untersuchung im Bereich der lokalen Suche entsteht
- wie klar sich die Behörde diesmal gegenüber Google positioniert
Die Auseinandersetzung wirkt auf den ersten Blick wie ein weiterer Eintrag im langen Streit zwischen Google und seinen Kritikern. In der Praxis könnte sie aber erneut zeigen, wie empfindlich der Markt reagiert, wenn ein dominanter Anbieter gleichzeitig Schiedsrichter und Mitspieler ist.
| Bereich | Aktueller Stand |
|---|---|
| Beschwerde | Yelp hat eine neue Eingabe bei der EU-Kommission gemacht |
| Vorwurf | Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung in der lokalen Suche |
| Mögliche Folge | Eine dritte EU-Untersuchung gegen Google |
Ob es tatsächlich so weit kommt, hängt nun davon ab, wie die Kommission die Vorwürfe bewertet. Sicher ist nur: Der Druck auf Google in Europa lässt nicht nach.