Zusammenfassung
Vor kurzem wurde bekannt, dass Google eine neue Kartellklage von Staatsanwälten in den USA erhalten hat. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, das AMP-Format zu nutzen, um die Header-Bidding-Technologie zu bekämpfen und die Werbeeinnahmen zu steigern, sowie nicht-AMP-Seiten zu verlangsamen.
Die Nachricht löste ein breites Echo in der englischsprachigen SEO-Gemeinde aus und verstärkte die negative Stimmung gegen das Unternehmen. Viele Experten haben Google kritisiert, obwohl niemand die von den Staatsanwälten zitierten internen Dokumente gesehen hat.
Genau an diesem Punkt wird die Debatte schnell unübersichtlich: Geht es um technische Optimierung, um Marktmacht oder am Ende um beides? Für Publisher und SEOs ist das keine reine Grundsatzfrage, sondern eine sehr praktische. Denn wenn Ladezeiten, Werbeausspielung und Sichtbarkeit zusammenhängen, kann schon ein kleiner Eingriff spürbare Folgen haben.
All those years, all those Googlers, devs, & SEOs defending AMP… And this is just the tip of the iceberg.
I just wish journalist @dannysullivan (before Google bought him off) was here to excoriate them for these disgusting actions.
(via https://t.co/XExHtnNmKM) pic.twitter.com/I9M03L7E82
— Rand Fishkin (@randfish) October 24, 2021
In einer Stellungnahme an Search Engine Roundtable wies ein Google-Sprecher die Vorwürfe zurück: „Nur weil Generalstaatsanwalt Paxton aus Texas etwas behauptet, muss es nicht wahr sein. Diese Klage ist mit Ungenauigkeiten gespickt. Unsere Werbetechnologie hilft Websites und Apps bei der Finanzierung ihrer Inhalte und ermöglicht es kleinen Unternehmen, Kunden in aller Welt zu erreichen. In der Online-Werbung herrscht ein harter Wettbewerb, der die Kosten für die Werbetechnologie gesenkt und die Chancen für Verlage und Werbetreibende erhöht hat. Wir werden uns vor Gericht energisch gegen unbegründete Behauptungen zur Wehr setzen.“
Google sagte, die Behauptungen über die Verwendung von AMP gegen Header Bidding seien unbegründet: „Google-Ingenieure haben AMP in Zusammenarbeit mit Verlegern und anderen Technologieunternehmen entwickelt. Ziel des Projekts war es, Webseiten schneller laden zu lassen und die Nutzererfahrung auf mobilen Geräten zu verbessern und nicht dem Header-Bidding zu schaden. Publisher können sowohl AMP als auch Header Bidding nutzen, wenn sie dies wünschen. Die Verwendung von Header Bidding hat keinen Einfluss auf das Ranking eines Publishers in den Suchergebnissen.
Für die Praxis bleibt damit vor allem eines wichtig: Aussagen über technische Systeme sind selten schwarz-weiß. Wer mit AMP, Werbetechnik oder alternativen Ausspielungswegen arbeitet, sollte deshalb nicht nur auf einzelne Schlagzeilen schauen, sondern auf messbare Effekte im eigenen Setup. Ladezeit, Sichtbarkeit und Erlöse gehören zusammen — und genau dort wird es am Ende oft entschieden.
- Welche Seitentypen sind betroffen?
- Wie entwickeln sich Ladezeiten mit und ohne AMP?
- Verändert sich die Werbeauslieferung spürbar?
- Gibt es Unterschiede bei mobilen Nutzern?
| Aspekt | Relevanz für Publisher |
|---|---|
| AMP | Schnellere Auslieferung auf mobilen Geräten |
| Header Bidding | Wichtiger Hebel für Werbeerlöse |
| Suchsichtbarkeit | Entscheidend für Reichweite und Traffic |
Wer in diesem Fall Recht hat, wird von einem Gericht entschieden. Bis dahin bleibt die Diskussion ein gutes Beispiel dafür, wie eng Technik, Wettbewerb und Vertrauen im Web miteinander verknüpft sind.