Russland. Einheimische Online Shops, Chancen und Risiken am Beispiel von Südrussland

Veröffentlicht in: Verkaufen in Russland, am: 21 November 2012 | 2 Comments |

Russische Online Shops

Derzeit gibt es in Südrussland drei Gruppen von Onlineshops.
In erster Linie sind es die Shops, die sich in der Onlinesparte Elektronik einen Namen gemacht haben: „M-Video“, „Eldorado“ (Эльдорадо) und „Svyaznoj“ (Связной). Diese Läden verfügen über große Ladenflächen sowie auch Online Shops.

Web im Visier. Chancen und Risiken

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Eine Zwitterform sind derzeit die Shops, die reine Onlineshops sind und sonst über keine Läden oder Verkaufsflächen verfügen. Produkte können ausschließlich online ausgewählt und bestellt werden. „Anfassen“ könnte man die Ware schon, aber nur im Lager. Bekannte Discounter dieser Art, die sich auch in Südrussland finden lassen, sind „Citylink“ (Ситилинк) und „Ulmart“ (Юлмарт), die erst vor kurzem in Krasnodar und Rostow agieren.

Eine weitere Gruppe bilden regionale Anbieter, die ausschließlich das Internet als Vertriebskanal nutzen. Es sind wenige Shops und sie bedienen fast immer nur zwei Produktgruppen – Elektronik und Kinderwaren. Die Kinderwaren lassen sich so gut im Internet aus dem einfachen Grund verkaufen, weil Eltern keine Zeit haben, um einkaufen zu gehen, geschweige denn mit den Kindern zusammen.

Außerdem gibt es eine konstante Nachfrage an einer gewissen Anzahl von Waren, deren Eigenschaften den Käufern bereits gut bekannt sind. Das wären unter Anderem Windeln, Pampers und weitere Waren für Kleinkinder und Kinderpflege.

Die letzte Kategorie bilden die Läden, die auf das Internet als ein Vertriebskanal absichtlich verzichten. Hier findet man alle möglichen Arten von Waren und Dienstleistungen: Kleidung, Schuhe, Autoteile, auch Kinotickets.

Online Shop Erstellung in Russland: eine Branche in der Aufbruchstimmung

In der derzeitigen Aufbruchstimmung am Markt, ist die hauptsächliche und die meist gebrauchte Arbeit bei den Web-Entwicklern das Realisieren eines Online-Shops. Alexey Netschajew, Chef der Entwicklungsgesellschaft „BestTrend“ verzeichnet eine starke Nachfrage gerade bei den so genannten fertigen Software-Modulen bei Online Shops, wie z.B. „1C:Bitrix“ (1С Битрикс).

Die wachsende Popularität auf diesem Gebiet bietet Spezialisten neue Aufgabenfelder in der Entwicklung und Realisierung von Online-Shops. Immer mehr und mehr Unternehmen sehen sich von bekannten Umsatzzahlen ermutigt, in das Onlinegeschäft einzusteigen.

Viele andere Beispiele und Erfolgsgeschichten finden sich auch auf dem Mobilfunksektor. Der Mobilfunkbetreiber „MTS“ (МТС) konnte in Südrussland in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2012 seinen Online Umsatz um das 4,8-fache gegenüber des Vorjahreszeitraumes steigern.

Wie ein Analyst von „FINAM Management“, Maxim Klyagin feststellt, ist der Markt grundsätzlich sehr weit davon entfernt, gesättigt zu sein. Vielmehr ist der Zeitpunkt dafür ideal, sich mit einem Onlineshop am Markt zu etablieren. Jeder Verkäufer, völlig unabhängig von der Größe, erhofft sich sein Erfolgsmodel für den Onlinehandel zu finden und Marktführer zu werden.

Einschränkungen im regionalen Online Handel

Verteilung der Internetanschluesse in Russland 2011

Verteilung der Internetanschluesse in Russland 2011. Quelle: company.yandex.ru

 

Aber regionale Anbieter sind unter Einfluss der Netzwerk-Statistiken häufig nicht erfolgreich im Online-Handel. Es ist nötig eine Reihe von Faktoren, Problemen und Einschränkungen zu berücksichtigen, die für die Entwicklung eines erfolgreichen Online Shops entscheidend sind.

Eine unzureichende Verbreitung von schnellen DSL-Anschlüssen wird als häufigste infrastrukturelle Einschränkung im russischen Online Handel erwähnt.

Außerdem ist es sehr wichtig, eine Nische richtig zu wählen und Kosten zu berechnen, in erster Linie die Vermarktungs- und SEO-Kosten. Der kleine regionale Online-Shop ist ganz häufig ein ziemlich riskantes Unterfangen, die Erfolge sind nur langfristig möglich. Ein langer Atem ist gefragt.

Nun ist ein typisches Szenario beim Organisieren eines regionalen Online-Shops, dass das Unternehmen seinen Internetauftritt um ein E-Commerce Modul erweitert. Die Entwickler füllen den Shop mit einer bestimmten Menge von Produkten, vorbereiteten Photoshop Bildern, Überschriften und Beschreibungen.

Der Online Shop geht online – und verkauft nichts, weil es sich herausstellt, dass die Warenanzahl unzureichend ist, die Erstellung und Veröffentlichung neuer Bilder, die Aktualisierung von Informationen zu teuer ist, alte Produkte verschwinden, Preise ändern sich häufig etc. Im schlimmsten Fall steht der Shop nach einigen Monaten halb leer und generiert keine Verkäufe.

Herausforderungen von E-Commerce in Russland

Herausforderungen E-Commerce in Russland

Herausforderungen des regionalen E-Commerce

Die größte Herausforderung des regionalen E-Commerce besteht also darin, zu lernen, ihn als einen ernsthaften Vertriebskanal zu betrachten.
Der Webentwickler Mikhail Suchomlinow sieht in E-Commerce keinen universellen Heilbringer für schwächelnde Geschäfte.

„Die bloße Anwesenheit eines E-Commerce Moduls hat keinen Einfluss auf die Höhe der Umsätze“ – sagt er. Unbedingt nötig sind eine ernsthafte Vorbereitung des Shops und die richtige Durchführung der Vermarktungs- und SEO Maßnahmen.

Typischerweise besteht ein Online-Shop aus einer großen Menge von Seiten: jedes Produkt hat seine eigene Seite, Kategorie, Schlagworte. Für diese Tausende, manchmal Zehntausende Elemente braucht man eine unique Beschreibung, vorzugsweise ein paar Fotos und so weiter.

Es stellt sich heraus, dass die Organisation des Online Handels im Internet einen hohen, mit der Neueröffnung einer echten Filiale vergleichbaren Ressourcenverbrauch verursacht. Und obwohl der Shopbesitzer keine Mietkosten und weniger Personalkosten zu zahlen hat, ist die Rentabilität von E-Commerce wegen der erwähnten infrastrukturellen Einschränkungen noch gering sein wird, die Amortisationszeit lang.

Anton Pantelejew, Pressesprecher von „M-Video“ stellt fest, dass momentan das Internetgeschäft noch in den Kinderschuhen steckt.

Der gesamte Onlinemarkt wird durch einen Prozess gehen müssen, der vergleichbar mit dem Prozess ist, der sich Anfang der 90 Jahre im Offline-Handel vollzogen hat.

Für russische Kunden spiele die Zuverlässigkeit und die Garantie eine sehr wichtige Rolle. Russische Kunden sind in Ihrem Konsumverhalten noch sehr vorsichtig und Onlineangeboten gegenüber skeptisch. Dieses Kundenvertrauen müsse erst mal gewonnen werden, so Pantelejew.

Sergei Laskavy, Direktor des Mobilfunkanbieters „MTS“ im Südrussland, sagte, dass der russische Online Handel über ein enormes Potential in der Region verfügt. Jedes Jahr sieht er einen Marktzuwachs von 30-50 Prozent. Die physische Präsenz des Käufers wird zunehmend weniger werden und sich auf das Internet verlagern. Bereits bestehende Unternehmen, die jetzt ihr Geschäft auch im Internet betreiben wollen, haben die Möglichkeit dieses Kundenvertrauen ins Onlinegeschäft zu transportieren.

Ein weiteres und vielversprechendes Segment im Bereich des Onlinehandels ist der Food und Non-Food FMCG Bereich, also der Bereich für Waren die schnell umgeschlagen werden müssen. Hier ist der Marktführer die Moskauer Lebensmittelkette „Utkonos“, die im Jahr 2010 5,1 Milliarden Rubel Umsatz hatte.

Laut Mikhail Suchomlinow handele es ich um ein Produktsegment für große Unternehmen und diese Art von Geschäftsmodell lasse sich aus Kosten- und Logistikgründen nicht so einfach duplizieren. Weiterhin ist für diesen Bereich ein hohes Maß an Automatisierung notwendig und man müsse als Unternehmer eine sehr breite Produktpalette vorhalten.

Laut „FINAM Management“ liegt die landesweite Erreichbarkeit per Internet bei landesweit 45 Prozent und etwa 60 Millionen Menschen in ganz Russland. In den letzten Jahren lag die jährliche Wachstumsrate der Haushalte, die an das Internet angeschlossen wurden bei 20-30 Prozent. Der Bereich E-Commerce verzeichnet ebenfalls erhebliche Wachstumsraten für die Onlineshops.

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