Yandex, Backlinks, Nutzerverhalten. Eine neue SEO-Realität in Russland

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Der Artikel wurde am 2019-04-15 aktualisiert.

Die russische Suchmaschine Yandex verbannt Backlinks ganz und gar als Rankingfaktor, zumindest bei den kommerziellen Websites – so hat es kürzlich das Unternehmen bekannt gegeben und für viel Wirbel bei russischen (und nicht nur) Suchmaschinenoptimierern gesorgt.

Wir berichteten:
SEO: Yandex verzichtet auf Backlinks! (05.12.2013)
Ohne Backlinks. Yandex Kriegserklärung an SEO’s? (11.12.2013)
Yandex Mini-FAQ zum Ranking ohne Backlinks (14.12.2013)

Dennoch scheint es wohl viele Webseitenbetreiber in Russland zu geben, die völlig ungeachtet der Tatsache so weiter machen wie bisher und völlig unbeeindruckt von den Ankündigungen von Yandex sind.

Ein Nutzer in Yandex Augen

So stellt sich Yandex einen typischen Nutzer vor (c) Bildquelle: flickr / Tambako The Jaguar / CC BY 2.0

 

Wegen „gemeinsamer Bemühungen“ von Linkbörsen, Linkbuilder und diverser Aggregatoren verwandelten sich Empfehlungen von einem Ranking-Faktor ins „Rauschen“ – wie das russische SEO’s zu sagen pflegen – in eine Störgröße bei der Feststellung von Webseitenrelevanz.

Blufft Yandex vielleicht?

Viele Kollegen tun immer noch so, als wäre nichts gewesen. Vielleicht werden eben diese Kollegen Ihre Gründe haben am allseits bewährten System Backlinks weiterhin festzuhalten. Das wird aktiv durch einstimmige Aussagen von Vertretern russischer Linkbörsen unterstützt, die immer wieder aufs Neue wiederholen, dass Suchergebnisse ohne Berücksichtigung von Backlinks schlechter werden.

Grundsätzlich muss man wissen, dass Suchmaschinenoptimierung in Russland schon immer sehr viel mehr auf Backlinks gesetzt hat – sehr viel mehr als anderswo. Fast alle Seiten in Russland kaufen oder verkaufen Backlinks.

Die SEO-Szene ist sich nicht ganz einig, sodass einige Kollegen durchaus der Überzeugung sind, dass nicht alles an Backlinks unberücksichtigt bleiben kann – trotz großspuriger Ankündigung seitens Yandex. Es wäre nicht das erste Mal, dass Dinge gezielt gestreut würden, um Prozesse in Gang zu setzen.

Jedoch versteht man schnell, wenn man einige Hintergründe erfährt, dass Yandex sich auf diesen Schritt schon lange vorbereitet hat.

Yandex betonte immer wieder, dass bereits in den Jahren zuvor Backlinks immer mehr beim Ranking an Bedeutung verloren haben. Im Jahre 2007 wurde der sogenannten Nepos Filter aktiv und nahm schon eine massive neue Gewichtung bei bezahlten Backlinks vor. Eine Reihe weiterer Updates bei den Rankingfaktoren erfolgten 2009 und zwischen 2010 und 2013, die eine ähnliche Ausrichtung hatten.

Ranking-Faktor Userverhalten

Es ist schon ein massiver Einschnitt ins Geschäft vieler, die bisher auf Backlinks gesetzt haben. Aber wäre Yandex bereit, sich mit einer Qualitätssenkung der Suchergebnisse abzufinden nur, um den Linkhandel platt zu machen? Nein!

Immer wieder bekräftigtes Ziel der Suchmaschine ist, Internet qualitativ zu verbessern und gute Suchergebnisse zu liefern. Dass dabei das Multi-Millionen-Geschäft der Linkbörsen auf nahezu Null gehen wird, ist ein Kollateralschaden, ein schöner Nebeneffekt, den Beteiligte hinnehmen müssen.

Backlinks, nicht komplett abgeschafft

Umstellen müssen sich die Seitenbetreiber. Wenn eines geht, kommt bekanntlich ein neues. Neue Bezugsgröße wird in zunehmendem Maße das Userverhalten sein. Die wahrscheinlichste Hypothese wäre ist, dass das nutzerbezogene Faktoren auch Links betreffen werden.

Es könnten beispielsweise nur die Backlinks berücksichtigt werden, die man auch anklickt.
Im ganzen Gewirr um Backlinks, sind außerdem zwei weitere Erklärungen von Yandex fast unbemerkt geblieben, die genau das bestätigen:

1. Keyword not provided a la russe

Fremde Anbieter oder Tools bekommen keine Informationen mehr zu Suchanfragen. Referer werden verschlüsselt, die Keywords nur in Yandex.Metrica (das Yandex Analogon zu Googles Analytics) oder Yandex.Webmaster (Googles Webmaster Tools) angezeigt. Das ist auch der größte Unterschied zu „Keyword not provided“ made in Google. Yandex hat keine Angst vor Kartellklagen in Brüssel!

Russische Webmaster, die sich heute noch Google Analytics bedienen, haben dann keine andere Wahl, als auf Metrica umzusteigen.

Ähnlich Googles Analystics, ist Yandex.Metrica ein probates Tool, es lässt jedoch sich nicht verleugnen, dass Yandex dadurch immer mehr Daten erhält. Mehr Daten, die bei der Beurteilung des Nutzerverhaltens helfen.

2. Gefaktes Nutzerverhalten führt zu Rankingverlust

Da Yandex dem Nutzerverhalten einen immer größeren Stellenwert gibt, sehen hier einige SEO´s neue Möglichkeiten. Der Suchmaschine wird versucht ein Nutzerverhalten vorzugaukeln, das es gar nicht gibt. Yandex versucht verstärkt dagegen vorzugehen und verkündet das öffentlich.

Die Stimme von Yandex, Alexander Sadovsky sagte, dass schon sehr bald ein Algorithmus gestartet werden würde, der gezielt solche Fakes aufdecken solle.

Alexander Sadovsky Filter für Nutzerverhalten

Alexander Sadovsky verspricht gerade jedem einen Filter für Nutzerverhalten Fakes

 

Außerdem erscheint bei Yandex seit Kurzem bei allen Suchanfragen bezüglich des Nutzerverhaltens ein Link zu einem warnenden Eintrag im Yandex-Blog! Dadurch bekräftigt sich die Annahme, dass Backlinks als Rankingfaktor tatsächlich immer mehr durch Nutzerfaktoren ersetzt werden.

Nutzerverhalten Betrug. Yandex warnt

Nutzerverhalten Betrug. Yandex warnt

 

Wer ist alles betroffen?

Zunächst betrifft der Verzicht von Backlinks als Rankingfaktor erst einmal nur die kommerziellen Abfragen in Moskau und Moskauer Region. Immer noch ist nicht ganz klar, wie Yandex Richtlinien hier genau aussehen und was eine rein kommerzielle Anfrage ausmacht. Laut Yandex kann man davon ausgehen, dass rund 40 Prozent der Abfragen rein kommerziell sind. Es wäre aber naiv davon auszugehen, dass es bei Moskau und 40% bleibt.

Yandex Absichten sind klar. Was sich zunächst auf bestimmte Regionen auswirken wird, betrifft bald flächendeckender das Netz, so dass insbesondere Betreiber von Online-Shops und ähnlich kommerziellen Angeboten betroffen sein werden. Sie sollen sich schnellstens auf die neue Realität vorbereiten.

Strittige Fragen

Obwohl die neue Ausgangssituation für Webseitenbetreiber klar ist, bleiben dennoch Fragen und Unsicherheiten:

Interne Links

Auf die Frage hin, antwortete Sadowski auf der Konferenz IBC Russland ausweichend. Es ist wahrscheinlich, dass die internen Links immer noch gewöhnlich funktionieren. Auf der anderen Seite ist es nicht ausgeschlossen, dass sie mit weiteren (nutzerbezogenen) Faktoren verstärkt korrelieren.

Was macht eine Website zu einer eindeutig kommerziellen Website?

Hier wird es immer wieder zu Situationen kommen, in denen nicht kommerzielle Websites bei kommerziellen Suchanfragen ranken. Werden hierbei Backlinks berücksichtigt?

Wie kann man sich gegen Betrug von Nutzerverhalten Faktoren durch Konkurrenz schützen?

Was tun, wenn einem die Konkurrenz nicht wohlgesonnen ist und versucht das Nutzerverhalten zu manipulieren, indem man beispielweise Besucherverhalten mit extrem hoher Absprungrate oder minimaler Verweildauer künstlich erzeugt, oder im Gegenteil „zu gute“ Besucher vortäuscht?

Hierzu ist noch nicht bekannt, wie Yandex auf solche außerordentlichen Bewegungen auf einer Website umgehen wird, die eindeutig manipulativ von anderen Marktteilnehmern platziert wurden, um Mitbewerber zu schädigen.

Über den Autor:
Foto von Vitaliy Malykin Vitaliy Malykin CEO von Design4u Köln Tel.: +49 2219753416 E-Mail: webmaster@design4u.org Websites: , , Wikipedia
Vitaliy Malykin (Dipl.-Kfm.) ist seit 2005 in den Bereichen Webentwicklung, Online Marketing, SEO, SEM und SMO unterwegs. Zu seinen Fähigkeiten und Kenntnissen zählen u. a. Suchmaschinenoptimierung, Webentwicklung, Webdesign, WordPress Development, Storytelling, Erstellung und Optimierung von Longreads und conversionsbasierter Landing Pages, Growth Hacking, aber auch Kommunikation, Führung von remote Entwickler Teams, Unternehmensführung, Beratung und Business Development. Malykin realisierte diverse IT-Projekte, plante, implementierte und setzte SEO Strategien und Maßnahmen für mehrere bekannte Unternehmen in Deutschland, Europa, Russland und der Welt um.
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