Alexander, der typische Russe. Was weiß man über ihn?

Veröffentlicht in: Politik und Geschehnisse Russland, am: 15 April 2017 | No Comments |
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Max & Erika Mustermann sind die deutschen Durchschnittsbürger – mit 1,4 Kindern… Man kennt das, aber wie sieht es in aus? Gibt es den typischen Boris und die Natascha?

Ähnlich des Statistischen Bundesamtes in Deutschland, das regelmäßig ermittelt, wie der Durchschnittsdeutsche aufgestellt ist, ist das in Russland Rosstat. Rosstat sammelt jährlich die Daten, um zu ermitteln, wie der und die typische Bewohnerin in Russland aussieht. Dabei fließen in diese Erhebung Daten ein, die über Meinungsumfragen kommen, aber auch von den Suchmaschinen Yandex, Google und anderer Unternehmen und Institutionen stammen. Als Ergebnis erhalten wir den typischen Russen und die typische Russin.

Der typische Russe. Was wissen wir über ihn?

Der typische Russe. Was wissen wir über ihn? (c) Bildquelle: flickr / Dmitry Ryzhkov / CC BY 2.0

 

Hey, my name is Alexander!

Der Durchschnittsrusse heißt Alexander, denn das ist nach wie vor der beliebteste Name in Russland seit den 50er Jahren. Heute ist das immer noch ungebrochen – Jungs heißen Alexander. Mädchen wurde in den letzten 15 Jahren oft der Name Sof’ja und Sofia gegeben. Seit den 90er Jahren ist der Name Anastasia sehr beliebt.

Darf ich Sie nach Ihrem Alter fragen?

Alexander oder im Kosenamen oft als Sasha gesprochen, ist 40 Jahre alt. Alexander hat nicht mehr so lange zu leben, denn bei Männer liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei kaum 67 Jahren. Frauen haben mehr Glück, denn ihnen sind satte 10 Jahre mehr gewährt. Frauen leben durchschnittlich 77 Jahre.

Es ist das Herz!

Häufigste Todesursache bei Männern im arbeitsfähigen Alter ist das Herz, sprich viele sterben aufgrund von Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System.

Rosstat sagt dem Sasha buchstäblich: „Pass auf Dein Herz auf, Sasha!“

Das russische Wohnzimmer – Ein Teppich hängt immer an der Wand

Alexander lebt nicht alleine und auch nicht zwingend mit seiner Partnerin zusammen. Hier kaum denkbar, aber in Russland vielfach Realität, sind viele Bürger nicht imstande sich eine eigene Wohnung zu leisten. Also, unweigerlich kommt es für Alexander zu einer Hotel-Mama-Situation. Drei Viertel der Russen, so wie Alexander, leben in der Stadt in Wohnungen mit Verwandten zusammen. Alexander kann es sich auf durchschnittlich 24,4 m² gemütlich machen.

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Elektronik für die kalten russischen Winter

Im Hause von Alexander oder Sasha, wie ihn seine Freunde rufen, befinden sich zwei Fernseher, Computer und eine Waschmaschine und Mikrowelle, die sich in der Küche befinden. Nach Rosstat besitzt Alexander zwei Mobiltelefone.

So wie auch bei 70 bis 80 Prozent seiner Landsleute, laufen Sashas Smartphones auf Androidbasis. Sehr wahrscheinlich hat Alexander im vergangenen Jahr ein bestimmtes Gerät auch gekauft. Denn das „Xiaomi Redmi Note 3“ vom chinesischen Hersteller Xiaomi war das beliebteste Smartphone Russlands im Jahre 2016. In den Läden stand es für 15.000 Rubel und war damit der Verkaufsschlager gegenüber teureren iPhones 6 und 7.

Seine Geräte hat Sasha höchstwahrscheinlich online gekauft. Warum Sasha sehr gerne im Ausland online einkauft, lesen Sie in diesem Artikel.

Vom Automobil träumt Alexander vorerst

In der Familie von Alexander gibt es, wenn überhaupt, dann ein Auto für alle Familienmitglieder. Das ist entweder ein russischer UAZ oder ein preiswertes Auto aus dem Ausland. Beliebte Modelle in der Zulassungsstatistik sind der Hyundai Solaris, Lada Granta und der Kia Rio.

Der typische Russe ist eine Frau

In Russland gibt es mehr Frauen als Männer. Da stehen 78,6 Millionen Frauen den 67,9 Millionen Männern gegenüber. Dieses im internationalen Vergleich doch sehr merkliche Ungleichverhältnis macht es einfacher, eher über die Durchschnittsrussin zu reden, als vom russischen Mann. In unserem Artikel suchen wir jedoch keine einfachen Wege.

Russische Frauen. (c) Bildquelle: flickr / Dmitry Ryzhkov / CC BY 2.0
 

Alexander und die Arbeit

Alexander arbeitet im Handel, wie rund ein Sechstel aller Russen. Alexander träumt, bei SIBUR, Gazprom oder Rosatom zu arbeiten, denn das sind die begehrtesten Arbeitgeber im Land.

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Anders als hierzulande möchten russische Arbeitnehmer nicht in den öffentlichen Dienst oder Beamte werden, denn diese Jobs sind in Russland nur spärlich bezahlt, vielmehr bieten große private Unternehmen, wie , bessere Verdienstmöglichkeiten.

Die Statistiken zeigen auch, dass junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren in 22 Prozent der Fälle die Angaben gemacht haben, dass Gazprom ihr bevorzugter Arbeitgeber wäre. 12 Prozent gaben an, dass sie gerne für Administration des Präsidenten arbeiten würden und 11 Prozent bei der Polizei.

Alexanders Lohntüte

Sasha bekommt brutto 35744 Rubel durchschnittlich. Im Vergleich zu Vorjahr bedeutet das ein Zuwachs von 2761 Rubel. Aber Alexander meint, wie auch weitere 84% der Russen, dass er mehr verdienen sollte. Er ist schlich zu schüchtern, wie ein Drittel der befragten Russen, um eine Lohnerhöhung zu verlangen.

Sasha bekommt sein Gehalt auf das Bankkonto überwiesen, von den Konten hat er zwei – ein Gehaltskonto und eine Kreditkarte. Seinen Lohn bekommt Sasha nicht immer pünktlich ausgezahlt.

Weitere Einnahmequellen

Frei nach dem Motto: „man muss sehen, wo man bleibt“, müssen sich Russen nach weiteren Einnahmequellen umschauen, denn auf den Arbeitgeber ist nicht immer Verlass. Auch Alexander muss Geldquellen nebenbei für sich auftun.

Im Durchschnitt bringt es Alexander mit Nebenjobs auf zusätzliche 2300 Rubel im Monat. 2000 weitere Rubel bringen Sasha Vermietungen. Allerdings stimmt das so nur, wenn man alle Nebenjobs und Vermietungen über alle Sashas verteilt, denn die meisten Sashas haben weder einen Nebenjob noch eine zusätzliche Immobilie, die sie vermieten können.

Wofür geben Russen ihr Geld aus?

  • Kauf von Waren und Dienstleistungen 74,5%
  • Zwangsabgaben, Steuern und Beiträge 11,8%
  • Einsparungen 8,7%
  • Erwerb von Devisen 4,5%

Alexander, sowie drei Viertel des Landes waren sehr vom Anstieg der Nahrungsmittelpreise in den letzten drei Monaten betroffen und sehr darüber besorgt.

Alexanders Sparverhalten

Die Zentralbank sagt, dass Alexander über zwei Spareinlagen verfügt: eine in Rubel mit durchschnittlich 58.200 Rubel drauf und eine weitere, in Devisen, mit umgerechnet 71.000 Rubel. Im Vergleich zum Vorjahr sind Saschas Ersparnisse um 13.000 Rubel gewachsen.

Auch hat Alexander zwei Kredite, in Rubel in Höhe von 71.000 Rubel und in Devisen, in Höhe von umgerechnet 2.000 Rubel.

Wofür interessiert er sich?

Alexander nutzt das Internet, sowie auch 84 Millionen andere Bürger im Land. Jeden Tag verbringt er durchschnittlich 3 Stunden im Web. Interessant sind auch die beliebtesten Anfragen in den Suchmaschinen, da finden sich: Fußballweltmeisterschaft, Eurovison und beispielsweise russische, aber auch US-Wahlen.

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Internationale Filmpremieren interessieren Alexander ebenfalls. Er suchte nach Informationen über „Suicide Squad“, „Deadpool“, „Zootopia“, „Das geheime Leben der Tiere“ und „Kung Fu Panda – 3“.

Sasha zieht auch ausländische Serien: „Game of Thrones“, „The Walking Dead“ und „Supernatural“ vor. Von den russischen Serien interessiert sich Sasha besonders für „Fizruk“ und „Molodezhka“.

Urlaubszeit ist Reisezeit

Schaut man in die Suchanfragen in den Suchmaschinen, kann man sehen, dass sich dieser Russe, der eine Nation exemplarisch repräsentiert, gerne an die Krim reist. Als alternative Reiseziele sind aber auch die Türkei und Tunesien von Interesse.

Freizeitgestaltung nach Feierabend

Am vergangenen Sonntag um 19:30 Uhr guckte Sasha das Programm „Best of all“ im russischen „Ersten Kanal“, diese Sendung war der Rankinganführer der vergangenen Monate. Am Freitag guckte er russische „The Voice Kids“ und am Donnerstag „Zeit“ und „Lasst sie reden“.

Vor der Glotze

Die Zeit nach dem Feierabend verbringt Alexander vorwiegend vor dem Fernsehen und guckt meistens nur zwei Sender.

Ein Abend vor dem Fernseher. Auf dem Bild ist kein typischer Russe, sondern ein bekannter Komiker und Schauspieler Sergei Swetlakow zu sehen
 

Grundsätzlich werden nur die ersten beiden Tasten auf Sashas Fernseher eingeschaltet: „Erster Kanal“ und „Russland 1“ besetzen 53 Zeilen von 100 in der Rangliste der beliebtesten Programme der Woche. Den dritten Platz belegt „NTV“. „Euronews“ guckt nur einer aus 500.

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Was denken sie über Land und die Welt?

Glaubt man den Meinungsforschern und der öffentlichen Meinung, dann sehen sich die Mehrheit der Russen als Patrioten. Unter Patriotismus versteht man auch, dass man zu seinem Land und Natur ein gutes Verhältnis hat, die Geschichte seines Landes kennt und wie selbstverständlich zur Wahl geht.

Sasha mag Amerika nicht: er glaubt, dass die Vereinigten Staaten eine negative Rolle auf der Weltarena spielt. Trotz dem ist er der Ansicht, wie auch drei Viertel aller Russen, dass russische Regierung eine engere Beziehung mit dem Westen anstreben solle.

Armee: für Russen unabdingbar

Alexander ist zutiefst davon überzeugt, dass die Armee zwingend zur Verteidigung des Landes benötigt wird und für die sichere Lage verantwortlich. Diese Meinung tragen 88 Prozent der Bevölkerung.

Russlands Armee. Auf dem Foto: Russian Anti-Ballistic Missile System.The S-300VM "Antey-2500" (c) Bildquelle: flickr / Andrey Korchagin / CC BY 2.0
 

Alexander sagt auch, dass sie Armee die Schule des Lebens sei. Ganze 66 Prozent in der Bevölkerung denken so wie Alexander.

Große Sorgen bereiten dem Russen die internationale Spannung außerhalb des Landes. Auf dem zweiten Platz in der Angstrangliste ist die Angst vor steigenden Preisen und Inflation und auf Platz drei die ausufernde Kriminalität.

Alexander strebt nach mehr Stabilität und sieht Stabilität noch wichtiger als Reformen an. So denken auch 75 Prozent seiner Landsleute.

Made in Russia

Alexander wurde 1977 geboren. Ging 1983 in die Schule. Seine Kindheit fiel genau in die Zeit, als die Sowjetunion zusammenbrach, da war er gerade einmal 14 Jahre alt. Er beendete die Schule in den turbulenten 90er Jahren.

An die Krise 1988 erinnert er sich noch gut. Obwohl er Einsparungen im Alter von 21 Jahren womöglich nicht wirklich besaß. An seiner Karriere begann er Anfang des neuen Jahrhunderts zu bauen, in der Zeit des Wirtschaftswachstums.

Ist Alexander glücklich?

Trotz der Sanktionen und der Instabilität in der Wirtschaft, ist er Optimist geblieben. Da 81 Prozent der Russen sich selber als glückliche Menschen bezeichnen, kann man davon ausgehen, dass es Alexander auch ist. Zum Glück zählen eine glückliche Familie mit Kindern, eine gute Arbeit, Gesundheit und Wohlbefinden, von sich selbst und seinen Lieben.

Moskau, Roter Platz. (c) Bildquelle: flickr / Matt Shalvatis / CC BY 2.0
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Von Vitaliy Malykin
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