Zoll-Diskussion in Russland. Noch kein Ende in Sicht?

Veröffentlicht in: Online Handel und E-Commerce, am: 26 Juli 2014 | No Comments |

Es ist ein Thema, was einen großen Teil der Onlineshopbetreiber, aber auch Kunden interessieren dürfte. Es geht darum, wie viel Russen aus dem Ausland bestellen dürfen und dabei zollfrei bleiben, genauer genommen die Zolluntergrenze bei Paketlieferungen.

Sendungen ausländischer Online Shops

Sendungen ausländischer Online Shops

 

Zollfreie Lieferungen in . Was war

Bis dato gilt immer noch die Regelung, die sehr großzügig ausgelegt war und noch ist: pro Kopf, pro Monat, 1000€ Warenwert und max. 31kg. Aber das zukünftige Gesetz steht jetzt kurz vor der Verabschiedung. Es sieht eine Herabsetzung der Untergrenze auf 150,00 € Warenwert, 10kg und das Ganze geht nicht mehr pro Kopf, sondern pro Paket.

Jetzt hat sich wieder der stellvertretenden Leiter des Ministeriums für Kommunikation, Michael Evraev zu Wort gemeldet und der Zeitung Iswestija ein Interview gegeben.

„So sehr das neue Gesetz auch für manchen nach einer Verschärfung für Käufer bei ausländischen Onlineshops aussehen mag, sehe ich genau das Gegenteil. Für den Käufer besteht eine sehr viel größere Möglichkeit Ware einzukaufen, da es kein Pro-Kopf-Limit mehr gibt. Es wird keine Beschränkung bei der Anzahl der Pakete geben“

– sagte Evraev gegenüber Iswestija.

Zollfreie Lieferungen in Russland. Was wird

Der Föderale Zolldienst (FCS) wollte die monatliche Beschränkung für Einfuhren aus dem Ausland aufrechterhalten, um die gewerbsmäßige Einfuhr zu unterbinden. Man muss sehen, dass sich in Russland ein grauer Markt mit privat eingeführten ausländischen Waren entwickelt hat und dem Staat dadurch Einfuhrzölle entgehen.

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Dieses Vorhaben ist aber letztendlich aus Gründen der praktischen Umsetzung gescheitert. Der strukturelle und personelle Einsatz wäre vergleichsweise höher ausgefallen, als Mehreinnahmen erzielt worden wären. In der Praxis wäre eine solche Begrenzung des monatlichen Imports nicht durchführbar gewesen.

Zur Erinnerung: das russische Finanzministerium senkte die Untergrenze für die zollfreie Einfuhr der Pakete ausländischer Online Shops.

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Experten sind sich darüber einig, dass die Einführung der monatlichen Grenze zu erheblichen Verwaltungskosten geführt hätte.

Im internationalen Vergleich schneidet, auch nach Inkrafttreten des Gesetzes, Russland sehr gut ab. In Europa liegt die Grenze ebenfalls bei 150,00€.

FTC. Föderaler Zolldienst Russland

FTC. Föderaler Zolldienst Russland

 

Was ändert sich für Verbraucher?

Für das Gros der Verbraucher wird das Gesetz kaum Auswirkungen haben. Aktuelle Marktforschungsergebnisse zeigen, dass die meisten Pakete den Warenwert von 150,00 € nicht überschreiten.

Im Bereich Elektronik sind es im Durchschnitt 6000 Rubel, im Modebereich liegt der Warenwert mit durchschnittlich 3500 Rubel deutlich darunter. Bei der russischen Post liegt der Warenwert bei 45% der Pakete zwischen 10 bis 100 Euro. 41% der Pakete sind im Warenwert von 101 bis 500 Euro.

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Der Föderale Zolldienst (FCS) wird bei Paketen über 150,00 Euro Warenwert, versuchen die Zölle direkt beim Versender zu vereinnahmen, um den bürokratischen Aufwand, der bei Verzollung bei Einfuhr entsteht, zu vermeiden. In der Praxis würde dann der ausländische Versender den Zoll abführen.

„Wir erwarten, dass das Gesetz innerhalb der nächsten 1,5 bis 2 Monate in Kraft treten wird. Zeitgleich wird es für alle Länder innerhalb der Eurasischen Union harmonisierte Rechtsvorschriften geben. Gleichzeitig werden die einzelnen Regierungen der Staaten innerhalb der ein gemeinsames Zollunions-Protokoll ausarbeiten“

– so Evraev.

Neues Schlupfloch: Pakete über 150 Euro kommen via nach Russland!

Das Gesetz ist noch nicht mal in Kraft getreten, da kommen schon die ersten Unternehmen auf die Idee und führen Pakete, die einen Warenwert über 150,00 Euro haben, über den Nachbarstaat Kasachstan ein. Nicht nur ökologisch, auch aus logistischer Hinsicht ein absoluter Irrsinn, Pakete so umzuleiten, aber das System läuft.

Shopfans

Zu den ersten Firmen zählt sicherlich „Shopfans“, die in Kasachstan eine Niederlassung eröffnet und fleißig Waren ins Land holen, um die Zollvorschriften zu umgehen. Die Lieferzeiten sind dabei jenseits von Gut und Böse.

Shopfans Logo

Shopfans Logo

 

Shopfans bietet seinen Kunden die Möglichkeit Einkäufe in ausländischen Shops zu machen und nach Kasachstan liefern zu lassen. Von dort werden die Pakete dann nach Russland ausgeliefert. Kasachstan ist das einzige Land der Zollunion, indem es nach wie vor bei der Freigrenze von 1000,00 Euro zollfrei bleiben soll.

Weitere Pläne des Unternehmens bestehen darin, einen eigenen Auslieferungsservice „Altyn-Express“ (rus. Алтын-Экспресс) innerhalb Russland einzuführen. Für diese Art der Auslieferung würde das Unternehmen 10-15% des Warenwertes berechnen. Die Lieferzeit von Kasachstan nach Russland könnte 1-2 Werktage betragen, was noch die Gesamtlieferzeit im vernünftigen Rahmen erscheinen lässt. Derzeit werden bei einem 10kg Paket 150,00 US-Dollar berechnet.

Shopfans bewegt sich dabei keineswegs in einem rechtsfreien oder illegalen Raum, denn Waren in das Gebiet der Zollunion einzuführen und innerhalb der Zollunion an sein Mitgliedsländer auszuliefern, ist völlig legal. Das Verfahren wurde bereits in Weißrussland angewendet.

Shipito folgt?

Andere tun es nach Vorbild von Shopfans nach und wickeln Warenlieferungen über Kasachstan ab. Ein Vertreter des Unternehmens Shipito, Sergey Smirnov, erklärte, dass der Erfolg seines Unternehmens sehr von den Behörden in Kasachstan abhänge.

Shipito Logo

Shipito Logo

 
Der Miteigentümer des Onlineshops Wildberries, Sergei Anoufriev ist sich anderseits nicht sicher, ob sich ein solches Geschäft dauerhaft am Markt behaupten könne. Ihm zufolge arbeiten in Kasachstan die Logistikdienstleister eher schlecht und langsam. In seinen Augen könne eine solche verlängerte Lieferzeit auf wenig Akzeptanz stoßen.

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