Vladimir Dolgov, eBay Russland: "Wir haben keine Wettbewerber in Russland"

Veröffentlicht in: Online Handel und E-Commerce, am: 27 Dezember 2014 | No Comments |

Schwer und vergleichsweise steinig war der Weg von eBay auf den russischen Onlinemarkt. Entsprechend glücklich scheint man in den Chefetagen des Online-Auktionshauses darüber zu sein, dass man mittlerweile auch das internationale Erfolgsmodell in Russland weiterführen kann.

Dass aber die Statements seitens Vladimir Dolgov, dem Leiter von , dann doch so vollmundig ausfallen, hätte man nicht angenommen. eBay scheint es in Russland geschafft zu haben. Das Interview mit Dolgov über die Entwicklung von eBay in Russland und E-Commerce.

Vladimir Dolgov

Vladimir Dolgov

 

Russische Verkäufer und Pläne

– Als eBay nach Russland gekommen ist, musste das Unternehmen einige Pläne gehabt haben. Wie sahen diese Pläne aus und was waren die vornehmlichen Ziele dabei? Wurden diese Ziele erreicht?

D: Die Ziele waren einfach, so schnell wie möglich wachsen und eine Handelsplattform schaffen, die es nicht nur ermöglicht etwas im Ausland zu kaufen, sondern auch Russen den beidseitigen Handel zu bieten, sowohl auf der Anbieter, als auch (besonders) auf der Verkäuferseite.

Die Strategie sah vor, verstärkt mit lokalen Anbietern zu arbeiten. In der Anfangsphase standen Schwierigkeiten mit der PayPal Lizenz in Russland im Vordergrund und das war zum Teil von Einflussfaktoren abhängig, die wir nicht beeinflussen oder beschleunigen konnten.

eBay Russland: 90.000 einzelne Transaktionen pro Tag!

– Wie viele Menschen sind jetzt bei eBay Russland und wieviel kaufen Sie?

D: Wir glauben nicht, dass die Zahl der Besucher auf eBay eine so große Rolle spielt und wir zählen kein Traffic. [Anm. d. Red.: eBay kann selbstverständlich auch beträchtliche Besucherzahlen vorweisen: fast 15 Mio. Russen haben eBay im umsatzstarken Dezember 2013 besucht]. Vielmehr sind es die registrierten Mitglieder, die sich angemeldet und mindestens einen Kauf oder Verkauf getätigt haben, die für uns interessant sind.

Im vergangenen Jahr 2013 waren das in Russland rund eine Millionen aktive Kunden, seitdem hat sich diese Zahl vergrößert. Für die Höhe der gesamten Transaktionen, die auf eBay Russland gemacht wurden, gibt es für 2013 noch keine Zahlen, in 2012 waren es aber mehr als 400 Millionen US-Dollar.

– Wie viele Transaktionen sind es denn, die im russischen eBay pro Tag abgewickelt werden?

D: Über derzeitiges kann ich nichts sagen, aber so viel, Ende des Jahres 2013 waren es 90.000 einzelne Transaktionen pro Tag. [Anm. d. Red.: wir hatten andere Zahlen, jedoch weiß es Dolgov sicherlich besser]

– Wie würden Sie die gegenwärtige Situation beschreiben, wen könnten Sie als Konkurrenz für eBay Russland bezeichnen. Yandex.Market, vielleicht?

D: Wir sehen uns mit unserem Auktionshaus in einer etwas anderen Rolle und deshalb nicht dem klassischen Marktplatz zuzurechnen. Am besten passt da noch die Definition oder der Vergleich mit einem Wettbewerber, Molotok.ru, der aber auch nicht ganz passt, denn Molotok handelt in der letzten Zeit verstärkt mit Antiquitäten und Sammlerstücken. Unser Warenangebot ist sehr viel breiter ausgerichtet. In dem Sinne haben wir keine Konkurrenz in Russland.

Dolgov: eBay hat keine Konkurrenz in Russland

– Wie würden Sie den typischen eBay Kunden in Russland bezeichnen, in welcher Stadt lebt er und wie ist das Einkommensniveau?

D: Unseren Daten nach, kommen etwa 50 Prozent der Kunden aus Moskau und Sankt-Petersburg, etwa die andere Hälfte kommt aus den übrigen Regionen des Landes. In den Metropolen verfügen Kunden über eine höhere Kaufkraft, die Regionen verfügen jedoch über das meiste Wachstumspotenzial verfügen, was dem Trend im russischen E-Commerce im Allgemeinen entspricht.

eBay Russland

eBay Russland

 

Trends und Lieferung

– Wie sehen Sie die Entwicklung für den russischen Internet-Markt in den nächsten Jahren? Könnte die gesamtwirtschaftliche negative Lage Auswirkungen auf Wachstum haben?

D: Hier eine allgemeine Prognose abzugeben ist nicht ganz einfach. Offensichtlich wächst der Markt und dieser Prozess wird fortgesetzt. Wir haben jetzt über eine Millionen registrierte Käufer. Angesichts der gesamten Zahl der aktiven Käufer auf dem russischen E-Commerce-Markt, die auf 35 Millionen geschätzt wird, ist das aber nur ein kleiner Teil.

Im Allgemeinen ist unser Auktionshaus eBay gewissermaßen ein Markt im Markt. Unsere Mitglieder bekommen Ware zum niedrigsten Preis und erhalten einen hohen Grad an Markttransparenz. Da wir davon ausgehen, dass sich Konsumenten zunehmend preisbewusster verhalten, sind wir im Unternehmen auch optimistisch über die Entwicklung.

Es gibt 35 Millionen aktive Käufer auf dem russischen E-Commerce Markt

– Das russische E-Commerce steht vor einem logistischen Problem und der Herausforderung die Infrastruktur bei den Versendungen effektiv zu gestalten. Welche Rolle sehen Sie für eBay darin?

D: Wir arbeiten mit Hochdruck an diesem Logistikproblem, insbesondere bei der Einzelversendung von Ware aus dem In- und Ausland. Innerhalb unseres Unternehmens können wir merkliche, positive Effekte feststellen.

Dabei ist das einer Kooperation mit der „Russischen Post“ und einem chinesischen Versandunternehmen zu verdanken, dass fortan den beschleunigten Paketversand aus China, aber auch den Vereinigten Staaten ermöglicht. Dabei versuchen wir noch direkter zu Versenden und Postsortierzentren, wenn, nur gezielt dort einzusetzen, wo sie aufgrund der Entfernungen unabdingbar sind. Die Entwicklung, die die gerade durchmacht, sehen wir auch sehr positiv.

– eBay unterhält nach wie vor eine Kooperation mit dem Service Dostami [Anm. d. Red. ehem. Bay.ru], der in den USA virtuelle Adressen für Einkäufer aus Russland stellen, Bestellungen zusammenfassen und dann versenden. Warum benötigt eBay diesen Partner?

D: Wir mussten feststellen, dass das einfach notwendig ist. Aus dieser Not heraus, mussten wir uns nach einem Partner vor Ort umschauen. Der Versand nach Russland ist auf herkömmlichen Wege sehr teuer und dauert Wochen. Das ist für keinen Kunden zumutbar.

Außerdem verschicken viele amerikanische Einzelhändler grundsätzlich keine Waren ins Ausland, da es mit übermäßigem Papieraufwand verbunden ist. Deutsche und die Französen leiden darunter oft in gleicher Weise wie die Russen.

Dienste wie Dostami gibt es seit Langem. Kunden schätzen auch den Vorteil, dass sie Ware, auch verschiedener Shops, an die virtuelle Adresse schicken können und Dostami dann die Ware zu einem Paket kombiniert. Kunden zahlen so nur einmal den Versand.

Vladimir Dolgov. CEO eBay Russland

Vladimir Dolgov. CEO eBay Russland

 

Preise, , auf eBay

– Im gesamten Bereich der elektronischen Geräte ist Bewegung. Können wir nach der Markteinführung des iPhone 6 mit niedrigeren Preisen für iPhone5, 5S und 4 rechnen?

D: Jede neue Version von Apple-Geräte führt zu einem Anstieg der Verkäufe auf eBay. Der Begriff iPhone ist der drittbeliebteste Suchbegriff auf der ganzen Website überhaupt. Kommt eine neue Version, sinken folglich die Preise für die Vormodelle drastisch.

Die meisten eBayer suchten nach iPhone 5 und 5S, gefolgt von der vierten iPhone-Generation. Während der Zeit, in der iPhone 4S, 5, 5S und 5C produziert wurden, gingen bei eBay fast 400.000 solche Geräte über die virtuelle Ladentheke.

– Sie haben gesagt, dass das iPhone bei den Suchanfragen an dritter Stelle steht. Wie sieht es in anderen Bereichen aus? Was sind die ersten zwei Begriffsgruppen?

D: Zu den beliebtesten Kategorien zählen nach wie vor Mode und Elektronik. Beide Kategorien sind fast gleichermaßen beliebt und rangieren mit 38 Prozent für Fashion und 36 Prozent für Elektronik.

Auf eBay.ru wurden 400.000 iPhones 4 und 5 verkauft

– Eine ganze Zeit lang war das Zahlungssystem PayPal aus Sicht russischer Nutzer nicht sehr benutzerfreundlich und wurde nur sehr zögerlich angenommen. Wie ist die jetzige Situation?

D: PayPal hat als Zahlungssystem alle notwendigen Lizenzen erhalten. Ich glaube, dass sich die Rahmenbedingungen, der Service und das Zahlungssystem selbst in Russland sich sehr gut entwickeln. Immer mehr E-Commerce-Kunden außer eBay nutzen PayPal, welches in jedem Land der Hauptkunde von PayPal ist. Daher denke ich, dass PayPal sich immer weiter verbreiten wird.

Ich persönlich habe auf „Citylink“ und OZON mit PayPal bezahlt, so scheint es mir, dass PayPal allmählich zu einer der üblichen Zahlungsmittel im RuNet wird.

– Wie viele Mitarbeiter arbeiten für eBay und PayPal in Russland?

D: Derzeit sind es 21 Mitarbeiter, die für PayPal und knappe 30 die für eBay arbeiten.

– Immer wieder Tagesthema ist die Diskussion um die Zölle und Freigrenzen bei Paketlieferungen aus dem Ausland. Wie würde sich eBay verhalten, wenn sich auf diesem Gebiet Veränderungen ergeben würden, die Lieferungen verteuern?

D: In gewisser Weise sitzen alle im gleichen Boot und die Unternehmen unterliegen denselben Spielregeln. eBay wird diese Dinge betreffend, alles versuchen, um etwaige Gebührenzahlung für den Kunden so einfach wie möglich zu organisieren. Beispielsweise könnte das so aussehen, dass eBay vorab Steuern einbehält und abführt. Hier sind jedoch noch viele Fragen offen und gegenwärtig kann man nicht Genaueres sagen.

Yandex.Market möchte stärker gegen „graue Ware“ und Produktpiraterie vorgehen. Wie beurteilen Sie so ein Vorgehen?

D: Es ist ganz einfach. Yandex ist, wie jede andere Suchmaschine auch, nicht für die Erstellung von Informationen zuständig oder trägt die unmittelbare Verantwortung für Inhalte. Das Gleiche gilt für , die ein Preisaggregator sind. Demnach sehe ich keinen Grund, warum eine derartige Kontrolle in den Aufgabenbereich fallen sollte. Private Unternehmen können nicht auch noch damit betraut werden andere Marktteilnehmer und kontrollieren. Hier sind eher die Aufgabengebiet von Zoll, Gewerbeaufsicht und anderen Ordnungsbehörden zu sehen.

– Wie sehen die ehrgeizigen Pläne für die Zukunft von eBay in Russland aus?

D: Wir haben ein paar Projekte, die aber eng an die Entwicklung neuer Dienste gebunden sind, sodass gar nicht die Gefahr besteht Termine nicht einzuhalten. Als Unternehmen möchte wir unseren Usern noch bessere Serviceleistungen bieten und verbindliche Standards setzen.

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