Arkady Volozh – ein Leben auf der Überholspur

Veröffentlicht in: Online Handel und E-Commerce, am: 22 Dezember 2014 | No Comments |

Nach dem Beitrag über Alischer Usmanow fahren wir unsere Serie über russische IT-Köpfe und Entscheider fort mit der Biografie eines Arkady Volozh, dem Mann hinter Yandex. Er war schon immer anders als gewöhnlich. Hier sind die Stationen eines bewegten Lebens in der Zusammenfassung.

Arkady Volozh

Arkady Volozh

 

Stationen:

1964 In der Stadt Gurjew (russ. Гурьев) in Kasachstan geboren. Heute heißt die Stadt Atyrau (russ. Атырау)
1986 schloss er sein Studium am Institut für Erdöl und Erdgas in angewandter Mathematik ab
1988 Mitbegründer einer Genossenschaft für den Handel mit Computern „Magistr“
1999 Firmengründung „Comptek International“
2000 Generaldirektor von „Yandex“
2014 CEO von Yandex N.V. (Yandex N.V. mit Sitz in Niederlanden besitzt 100% von „Yandex“)

Yandex ist ein russisches Unternehmen

Nach Worten von Arkady Volozh war die Entscheidung, eine ausländische Muttergesellschaft für Yandex zu gründen durch Unregelmäßigkeiten in der Gesetzgebung der Russischen Föderation in Bezug auf Aktiengesellschaften bedingt.

Ilya Segalovich

Ilya Segalovich

 

Einer der Yandex-Gründer der ersten Stunde, der mittlerweile verstorbene Ilya Segalovich antwortete auf den Einwand, dass Yandex in den Niederlanden registriert wurde, buchstäblich folgendes:

“ – Sie sind ein niederländisches Unternehmen, nicht wahr?
– Nein, wir sind ein russisches Unternehmen. Ist „Gazprom-Media“ (ein Tochterunternehmen von Gazprom) ein zyprisches? Und Google eins aus Delaware, sobald sie dort registriert sind?

Lassen Sie mich diese Analogie erklären. Es gibt ein Unternehmen, welches durch russische Bürger mit dem russischen Geld gegründet wurde, in Russlands Hauptstadt Moskau ansässig ist, in welchem 2.500 Mitarbeiter tätig sind, ein Gehalt bekommen, Steuern abführen und an einem Produkt für Russland arbeiten.

Dieses Unternehmen ist ein russisches Unternehmen. Im Ausland ist nur die Muttergesellschaft registriert. Ausländische Aktionäre haben Angst, hier in Russland eine juristische Person zu gründen, wegen mangelhaftes Eigenrechts für Aktiengesellschaften.“

Bekanntes Zitat von Volozh:

KMU’s werden nie verschwinden, egal ob man mit Rattengift gegen sie vorgeht – sie werden immer überleben. Blumen und Kuchen wird es immer geben und diese Unternehmen werben im Internet“

Mit diesem ungewöhnlichen Zitat, beschreibt Arkady Volozh die Situation für klein- und mittelständische Unternehmen in Russland. Da kann auch eine noch so schwierige und korruptionsfördernde Gesetzeslage seitens der Behörden nichts ändern – diese Unternehmen wird es immer geben. Deshalb wird es für Yandex auch immer ein Geschäft bleiben, weil eben diese Unternehmen verstärkt im Internet werben.

Das neue Leben: „Ich bin raus aus dem operativen Geschäft!“

In diesem Jahr hat Arkady Volozh aufgehört Yandex zu führen. Er sagte es sei ein sehr gutes und neues Leben, das er führen werde.

„Fünfzehn Jahre und einige tausende von Rechnungen, die pro Monate abgezeichnet werden mussten, können ganz schön auf den Schultern lasten. Im täglichen, operativen Geschäft, liegt eine sehr große Verantwortung. Die Anfangssituation war vergleichsweise noch einfach, aber jetzt hat das Unternehmen rund 6000 Mitarbeiter.

Irgendwann spürte ich, dass die Zeit gekommen war, die Verantwortung der nachfolgenden Generation zu übergeben. Bis vor kurzem lag der Altersdurchschnitt der Top-Führungskräfte bei 40-45 Jahren, jetzt sind es 30-35 Jahre und darüber bin ich sehr froh“

– so Volozh.

„Big Data“ dürfte das Thema sein

Eine Vision für Yandex

Wohin wird die Reise für Suchmaschinen gehen? Mit dieser Fragen dürfte sich wohl nicht nur Yandex beschäftigen, auch im Hause Google nimmt man sich dem Thema an. Eine der maßgeblichen Fragen wird dabei sein, wie sich die Monetarisierung der eigenen Dienste entwickeln wird, die vom reinen Suchmaschinengeschäft ausgelagert sind.

Auch für Volozh dürfte sich nach dem Ausstieg aus dem operativen Geschäft die Frage nach dem berühmten zweiten Standbein stellen. Freilich, rein aus finanzieller Sicht, ist das für Yandex-Gründer Volozh absolut kein Thema, eher aus den Beweggründen heraus, dass jemand wie er immer auch aktiv sein muss.

„Da wäre noch die Frage nach der zweiten Milliarde Gewinn, denn die erste Milliarde hat Yandex unter meiner Führung erreicht. Ich bin immer noch an grundlegenden Fragen des Unternehmens interessiert. Ich glaube, dass wir uns auf dem Feld der Technologien noch weiter entwickeln werden.

Das zweite Thema könnten für Yandex weitere Länder außer Russland sein.

Das dritte Thema dürfte „Big Data“ sein und da die Frage, wie wir das besser in die Monetarisierung des Unternehmens überführen können.“

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