WordPress – ein Unternehmen ohne Büro und E-Mails

Veröffentlicht in: Online Marketing, am: 9 Mai 2016 | 1 Comment |

Ein Viertel aller Websites funktionieren auf Basis von WordPress! Täglich kommen 50.000 neue Sites hinzu. Kaum vorstellbar, dass es im Jahr 2003 aus einer Idee heraus entwickelt wurde, nur die eigenen Fotos einer Reise zu organisieren.

Der damals 19-jährige Matt Mullenweg wollte seine Reisefotos mit den Freunden teilen, nutzte dafür eine Open Source Plattform namens „Cafelog“, wo er einige Modifikationen vornahm. Das reichte dem Programmierer von einst nicht aus und es wurde eine modernere Plattform geschaffen, die fortan WordPress hieß.

Мatt Мullenweg

Мatt Мullenweg. Bildquelle: flickr / Kirk Wight / CC BY 2.0

Matt Mullenweg, der WordPress-Gründer

Mullenweg wurde in Texas geboren, wo er auch an der Hochschule für Bildende Künste lernte Saxophon zu spielen und sich für Jazz zu interessieren. Das ist auch der Hintergrund, warum alle wichtigen WordPress-Releases seit Version 1.0 nach namhaften Jazzmusikern benannt wurden. Im Jahr 2004 trat Mullenweg der Fakultät für Politikwissenschaften an der Universität von Houston bei, flog da jedoch raus und zog nach San-Francisco. Dort fing Mullenweg an als Produktmanager bei CNET Networks zu arbeiten. In dieser Zeit entwickelte er auch „bbPress“, ein Plugin, um einfache Foren erstellen zu können. Dieses Plugin wurde 900.000 Mal heruntergeladen. Mullenweg wurde von diesem Erfolg beflügelt, er verließ CNET und arbeitete fortan verstärkt an WordPress.

Hätten auch Sie gerne eine Website, die WordPress unter der Haube hat?

Die Philosophie seines Unternehmens war es, jeder Person zu ermöglichen, ganz unabhängig von der finanziellen Situation und seinen technischen Fähigkeiten, einen Blog zu starten und zu verwalten. Im Jahr 2005 interessierten sich auch Investoren für WordPress. Risikokapitalfonds boten viel Geld. Mullenweg blieb sich aber seiner Philosophie treu und lehnte lukrative Angebote ab.

„Ich hatte Angst, dass aus WordPress einfach nur ein Geschäft werden könnte. Auch war niemand der Investoren darunter, der diese Philosophie hätte mittragen können“

– so Mullenweg.

Obwohl WordPress auch über Premium-Accounts eine Monetarisierung vornimmt und auch andere Leistung bezahlt anbietet, gründete Mullenweg die WordPress Foundation – eine gemeinnützige Organisation, um die Mission des WordPress als ein Open-Source-Projekt zu fördern.

Automattic, ein Unternehmen hinter WordPress

Kurz nach dem Start von WordPress gründete er im Jahr 2005 Automattic, ein Unternehmen, in dem WordPress aufgeht. Es wurden verschiedenste Dienste entwickelt, die auf WordPress.com genutzt werden, aber auch eigenständige Anwendungen. Das sind unter Anderem Akismet, ein Service zum Filtern von Spam, Gravatarm, mit dem Avatare erstellt und integriert werden, Polldaddy – ein Service für Umfragen, VaultPress für den Schutz und IntenseDebate für Kommentare. Alle diese Dienste sind integriert oder lassen sich in WordPress-Blogs und Websites integrieren.

Investoren erkennen das Potenzial

2005 zog Automattic eine Investition in Höhe von 1,1 Millionen US-Dollar an, die über Venture-Capital-Fonds ins Unternehmen kamen. Der Unternehmensgründer wurde vom PC World Magazin zu einem der 50 einflussreichsten Menschen im IT-Bereich gekürt und belegte hier den 16. Rang. Zuvor hatte Mullenweg ein Angebot von 200 Millionen US-Dollar ausgeschlagen, die ihm für den Verkauf seines Unternehmens geboten wurden. Automattic entwickelte sich und kaufte mehr als ein Dutzend Unternehmen auf, die in Automattic übergingen und einen Mehrwert für WordPress-Nutzer darstellen.

WordPress Stickers

WordPress Stickers. Bildquelle: flickr / John Eckman / CC BY 2.0

Mullenweg glaubt, dass sein Erfolg auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass das Unternehmen eine Menge seiner Zeit und Energie in die Bildung einer Gemeinschaft rund um WordPress aufgewendet hat. Von Anfang an organisierte er Treffen mit denen, die für und mit WordPress arbeiten. Erst wurden die Treffen in San Francisco in den Wordcamps abgehalten und dann später auf der ganzen Welt. Der Mitarbeiterstamm bei WordPress lag im Jahr 2006 bei schlanken fünf Mitarbeitern, die bis zum Jahr 2011 auf 18 Mitarbeiter angestiegen war.

Wie verdient WordPress Geld?

Die Monetarisierung kam aus der Werbung, über Premium-Accounts und Partnerschaftsprogrammen. Mailchimp, ein Newsletter-Service für WordPress und der Service für mobile Werbung „AppPresser“ spielen monatlich 30.000 US-Dollar ins Unternehmen. Für Unterstützung erweiterter Funktionen für Websites soll ein Abonnement für mindestens 2500 US-Dollar monatlich erworben werden. WordPress bietet Hosting für Großunternehmen wie WSJ, CNN und TechCrunch. Der Preis dafür fängt bei 15.000 US-Dollar monatlich an.

Im Jahr 2014 erhöhte Automattic sein Investitionsvolumen um 160 Millionen US-Dollar. Heute wird der Unternehmenswert von WordPress auf rund eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Mullenweg zählt zu den 30 Top-Unternehmern unter 30 Jahren und nach wie vor zu einem der einflussreichsten Menschen in der IT-Welt.

Der Unternehmer glaubt, dass die Entwicklung seines Unternehmens auf der Gemeinschaft um WordPress basiert.

„Ich glaube, dass die Gemeinschaft aus Entwicklern uns zu dem großen Unternehmen gemacht haben, das wir heute sind. Zehntausende von Plug-Ins und Millionen von Menschen, die jeden Tag schöne Dinge auf unserer Plattform erstellen. Wir nähern uns unserer Mission, die eine Demokratisierung des Publishing-Prozess entwickelt“

– so Mullenweg.

Ein Leben ohne Büro

Jeden Monat gehen etwa 130 Millionen Nutzer auf WordPress online. 440 Mitarbeiter aus 27 Ländern arbeiten in der Firma. Dabei gibt es keine Firmenzentrale in eigentlichen Sinne. Das Unternehmen hat ein kleines Büro in San Francisco, was überwiegend für Investorentreffen genutzt wird.

Automattic

Automattic. Bildquelle: flickr / Stefanos Kofopoulos / CC BY 2.0

Der dezentrale Aufbau von WordPress ist schon sehr ungewöhnlich für ein Unternehmen dieser Größenordnung. Digital Natives und Menschen, die von überall in der Welt aus arbeiten können, arbeiten gemeinhin in Agenturen und Unternehmen anderer Größenordnung. Jeder arbeitet gewissermaßen von wo aus er möchte.

Darüber hinaus kommunizieren WordPressler selten per E-Mail – stadtdessen haben sie eine Plattform P2theme.com, eine Mischung aus Tumblr und Yammer. Für Videoanrufe werden Google Hangouts, Skype und Zoom eingesetzt.

Jeder der neuen Mitarbeiter erhält von WordPress 2000 US-Dollar, um sich zuhause einen Arbeitsplatz einzurichten. Ebenso stellt WordPress Rechner und weitere Technik zur Verfügung.

Unsere WordPress-Referenzen

WordPress.com and the Future of Work

Bevor die Zahl der Mitarbeiter die 50 nicht erreicht hatte, verfügte WordPress über keinerlei Hierarchie. Jeder steuerte seine Arbeit selber. Dann teilte Mullenweg die Mitarbeiter in Gruppen von fünf Personen ein und eine Person erhielt die Leitung eines Teams. Für das Social Media Marketing kam die Personalie Scott Berkun in das Unternehmen, der später auch ein Buch über die Arbeit bei WordPress verfasste.

Mitarbeiter treffen sich über das Jahr hindurch alle paar Monate für die Arbeit und einmal im Jahr kommen alle Mitarbeiter des Unternehmens zu einem großen Treffen zusammen. Diese Zusammenkünfte finden immer an unterschiedlichen Orten statt, mal ist es Tokio, mal Athen oder Paris. Mullenweg selbst reist viel und ist ständig unterwegs. Er meint, dass Reisen sehr gut sind um mit Weitblick auf neue Gedanken zu kommen und neue Horizonte zu eröffnen.

„Viele Leute denken, dass die Mitarbeiter bei WordPress keine Disziplin an den Tag legen würden, weil sie von zuhause arbeiten. Jedoch ist das weit von der Realität entfernt“

– so Mullenweg.

Dieser moderne Ansatz in der Mitarbeiterführung hat WordPress zu einem guten Teil zu dem gemacht, was es heute ist.

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1 Kommentar zum Beitrag : WordPress – ein Unternehmen ohne Büro und E-Mails

  1. Charlotte sagt:

    WordPress ist für mich die erste Wahl. Ich schätze WordPress bei den CMS, weil es weites gehend offen konzipiert ist. Ich habe als Bloggerin angefangen und mich hier von den zahlreichen Themes inspirieren lassen. Aus dem Bloggen sind noch mehr unterschiedliche Blogs geworden und auch die Website meiner Modellagentur läuft über WordPress ganz hervorragend. Ich finde den Beitrag sehr informativ und auch die Hintergründe dazu interessant. Jedoch muss ich auch sagen, dass ich nicht so ganz diesen Tenor der Menschenfreundlichkeit tragen kann. Ich denke vielmehr, dass Automattic auch nur ein Unternehmen ist, das Gewinne maximieren muss und es auch tut. Welchen Anstrich man sich nach außen gibt, ist wieder eine andere Sache.

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