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Neue Macht im Internet – der digitale Eroberungsfeldzug Chinas

Veröffentlicht in: Online Marketing, am: 5 Mai 2014 | 2 Comments |

Die Zeiten des unbegrenzten Wachstums, wie sie noch bis vor kurzem, Jahr für Jahr die Welt in Erstaunen versetzten, scheinen vorbei zu sein, nicht ganz, aber die Wirtschaft wächst sehr viel zurückhaltender. Zum einen liegt das an dem schier unglaublichen Hunger auf Ressourcen und deren Knappheit, zum anderen an den veränderten weltwirtschaftlichen Bedingungen.

Aber China hat in aller Stille sein weltweites Netzwerk im Internet gewoben. Das Riesenreich erobert das Internet und den gesamten IT-Markt massiv. Milliardenschwere Unternehmen wie Alibaba.com, die mehr Umsatz als eBay und Amazon zusammen machen, sind wohl nur der Anfang!

China Flagge

China Flagge. Quelle:Wikipedia

 

Alibaba Group

Im Jahr 1999 entstand zu ersten Mal die Idee zu einer Handelsplattform im Internet, die der einstige Lehrer Jack Ma hegte. Der Gründer des Unternehmens hätte sich damals nie erträumen lassen, dass diese Website sich zu einem Multi-Milliarden-Geschäft entwickeln würde.

Mittlerweile gehören zur Alibaba Group „Taobao“ und „Tmall“. Das stellt nur einen kleinen Teil der Unternehmen dar, die im Übernahmepoker von der Alibaba Group geschluckt wurden. Der Gesamtumsatz von Taobao und Tmall betrug im vergangenen Geschäftsjahr 2013 240 Mrd. US-Dollar, das ist ein Drittel mehr als der Umsatz von eBay und Amazon zusammen.

Alibaba Logo

Alibaba Logo

 

Alibaba geht an die Börse

Beim geplanten Börsengang, der möglicherweise im Sommer stattfindet, plant das Unternehmen sage und schreibe 15 Milliarden US-Dollar zu erhalten.

Von einem einfachen Umsatzplus kann auch nicht mehr die Rede sein, wenn man sich den Umsatz 2013 anschaut, der sich im Vergleich zum Vorjahr um 66% gesteigert hat. 3,06 Milliarden US-Dollar waren es dann unterm Strich und den Gewinn konnte man auf 1,35 Milliarden US-Dollar verdoppeln. Alles in allem eine sehr überzeugende Performance und Börsenanalysten sehen jetzt schon einen Run auf die Aktien.

Der charismatische Chef und Gründer von Alibaba ist als CEO bereits vor einem Jahr zurückgetreten, leitet jedoch als Vorsitzender das Unternehmen und bleibt treibende Kraft. Im Rahmen vom bevorstehenden IPO könnte er circa 10 Milliarden US-Dollar reicher werden. Ma versprach Alibaba zur größten Handelsplattform weltweit zu machen.

Alibaba ist schon jetzt für 80 Prozent des gesamten chinesischen Online Handel verantwortlich und konnte in der Vergangenheit u.a. mit Ausverkaufstagen viele Konsumenten locken, die über 24 Stunden extrem reduzierte Ware kaufen konnten, die nur in begrenzter Anzahl verfügbar war.

Das Prinzip: „Wer zuerst klickt, kauft“, spülte traumhafte Umsatzzahlen in die Kassen, aber was fast genauso wichtig ist, das Unternehmen wurde sehr bekannt dadurch.

Zahlen mit dem hauseigenen Zahlungssystem „AliPay“

„Man sollte sich auch bei den Zahlungstransaktionen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“. Das und ähnliches werden sich wohl die Entwickler des unternehmenseigenen Zahlungssystems AliPay gedacht haben, als sie es ins Leben gerufen haben. AliPay ist der weltweit größte Payment Service Provider, der 70 % aller digitalen Zahlungen auf chinesische Konten durchführt.

Alipay

Alipay. Das Zahlungssystem vom Alibaba

 

Zu den jüngsten Beteiligungen zählen der Erwerb des Navigationsdienstes AutoNavi, Cloud-Storage-Kanbox (chinesisches Analogon zu Dropbox), sowie Minderheitsbeteiligungen beim chinesischen Dating Dienst Momo und dem chinesischen Pendant zu Twitter, Sina Weibo.

Könnte Alibaba den Anschluss im Mobilbereich verlieren?

Gut im klassischen Internet zu sein, ist wichtig. Den Übergang zu den immer mehr aufkommenden mobilen Anwendungen zu meistern, wird zunehmend wichtiger und Unternehmen investieren viel Zeit und Geld darauf, das bestehende Geschäft auf Mobilanwendungen hin anzupassen.

Branchenexperten sehen viele Unsicherheiten, auch bei Alibaba, diesen Anforderungen gerecht zu werden und zum einen das bestehende klassische Geschäft zu betreiben, aber auch den Anschluss im Mobilbereich nicht zu verpassen. Ein Unternehmen, das rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, könnte zu schwerfällig auf solche Anpassungsprozesse reagieren. Einer der stärksten Gegenspieler im Onlinegeschäft ist das Unternehmen Tencent, das die beliebten Messenger QQ und WeChat betreiben.

Im März erwarb Tencent eine 15 % Beteiligung an JD.com, dem zweitgrößten Online und E-Commerce Unternehmen, für 251 Mio. US-Dollar. Bei Tencent hofft man mit dieser Beteiligung neuen Handlungsspielraum für den Mobilbereich zu bekommen. Bereits mit WeChat können einige Dienste wie Taxifahrten oder beim Bezahlen in Cafés und Restaurants die Anwendung genutzt werden.

Insofern bestehen bei der Konkurrenz bereits gut eingeführte Dienste, die Alibaba noch nicht aufweisen kann. Ebenso kritisch sollte bei zukünftigen Aktienkäufen der Umstand gesehen werden, dass die chinesische Regierung immer noch einen sehr starken politischen aber auch wirtschaftlichen Einfluss mit Restriktionen auf die IT-Branche nimmt. Für die Finanzbranche gilt das Gleiche.

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Zensurstreit zwischen Google und der chinesischen Regierung

Der Kampf der Messenger

Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Börsengangs, ist die Aufmerksamkeit der Investoren auf den Anwendungsbereich im Mobilsektor gerichtet. Mit WeChat ist bereits ein Messenger am Start, der ein Millionenpublikum erreicht. Alibaba hat einen hauseigenen Messaging-Service mit dem Namen „Laiwang“, der WeChat Paroli bieten soll.

Für Furore sorgte eine Meldung, dass sich Jack Ma mit in China typischer Art zu Wort meldete und ein Verbot für Mitarbeiter erteilte, nachdem fortan nur noch der eigene Messenger genutzt werden darf. Wohl nur in China möglich ist wohl auch die nächste Ankündigung des Firmengründers Ma, dass jeder Mitarbeiter, der es nicht schafft mindestens 100 seiner Freunde oder Geschäftskunden für Laiwang zu werben, auf Bonuszahlung am Jahresende verzichten muss.

Jack Ma

Jack Ma

 

Leider griff diese Maßnahme nicht wirklich. Zwar hatte Laiwang Ende 2013 ca. 10 Mio. Nutzer, aber sogar die Alibaba-Mitarbeiter haben dem Messenger den Rücken gekehrt und sind wieder auf WeChat umgestiegen, da es der beliebteste und bequemste Chinas Messenger ist, wo alle ihre Freunde kommunizieren.

Das Unternehmen als solches ist, ungeachtet des Entwicklungsstandes bei den Mobilanwendungen, der größte Spieler der Branche. Die Frage die sich stellt ist, wie flexibel ein so großes Unternehmen wie Alibaba auf die Veränderungen des Marktes, die sich ohne Zweifel mehr als deutlich abzeichnen, reagieren kann.

Mehr Beiträge über diverse Messenger (Apps):
QIP – der russische Internet-Messenger von RBC
myChat – der Internet-Messenger von My.com (Mail.ru-Group)
ICQ – der angeschlagene Platzhirsch

Tencent

Tencent hat zwei Messenger: WeChat und das außerhalb von China weniger bekannte QQ Messenger. Die Mehrheit der Chinesen bevorzugen WeChat und es ist der am stärksten verbreitetste Dienst, mit dem Sprachnachrichten, Bilder und Videos verschickt werden können. Darüber hinaus verfügt es über sehr viele weitere Funktionen, die es beispielsweise auch ermöglichen, Einkäufe zu machen.

Tencent Logo

Tencent Logo

 

Tenecent ist seinem Hauptkonkurrenten dicht auf den Fersen und wer sich besser auf dem Markt durchsetzen kann, hängt maßgeblich davon ab, wer besser auf dem mobilen Markt Fuß fassen kann.

Im Gegensatz zu Alibaba, kauft sich Tencent nicht so verstärkt in andere Unternehmen ein oder übernimmt sie ganz, wie das beim Konkurrenten der Fall ist. Vielmehr konzentriert sich Tencent in die Erweiterung des bewährten WeChat. An Ideen, wie aus WeChat mehr zu machen ist, fehlt es dem Unternehmen nicht.

WeChat Logo

WeChat Logo

 

Wie man mehr Geld mit WeChat verdienen möchte

Neue Funktionen sollen zur besseren Monetarisiserung beitragen. Anfang Februar startete das Unternehmen eine Testreihe bei dem mit WeChat bezahlt werden kann. Beispielsweise kann mit WeChat bei Filialen der Fastfoodkette McDonalds bezahlt werden. Weitere Zahlungsmöglichkeiten bestehen bereits oder folgen in Kürze.

Unsere Beiträge rund um das Thema „Bezahlen mit dem Smartphone“:
Zahlen mit dem Smartphone und PayPal in stationären Läden
Yapital, das eigene Bezahlsystem von Otto
Taxiruf in Russland von Yandex

In den letzten Jahren ist es deutlich zu sehen, wie ernst das Thema Monetarisierung bei Tencent über WeChat genommen wird. WeChat soll mehr Geld in die Unternehmenskassen spülen. Es gibt viele neue Funktionen, wie der Store, Spiele, bei dem direkt bezahlt werden kann, sowie ein Onlineshoppingsystem, bei dem man von Wasserflaschen bis Kinokarten nahezu alles per Klick kaufen kann.

Das Unternehmen betreibt eine aggressives Marketing in den Märkten Indien, Indonesien, den Phillipinen und Spanien und selbst Fußballstar Messi wurde für Werbemaßnahmen gebucht. Niederlassungen in Malaysia und den Phillippinen sind geplant.

Tencent Unternehmensbeteiligungen

Tencent hat 36,5 % Anteile an der chinesischen Suchmaschine Sogou für 448 Millionen US-Dollar gekauft. Sogou belegt den dritten Platz der chinesischen Suchmaschinen, nach Baidu und Qihoo. Sogou ist trotz seines geringen Marktanteils jedoch eine vielversprechende Investition für das Unternehmen. Die Suchtechnologie könnte stärker in WeChat integriert werden, um die Suche genauer zu machen.

Sogou Logo

Sogou Logo

 

Tencent hat sich auch mit Investments an zahlreichen westlichen Start-Ups hervorgetan und bekräftigt einmal mehr seine Absicht, nicht nur auf dem asiatischen Markt zu agieren. Zu den wichtigsten Deals gehören die Beteiligung in Höhe von 150 Millionen US-Dollar an Fab.com, sowie 23 Millionen für die Beteiligung an Android ROM CyanogenMod. Mit Fab.com soll ein Partner ins Haus geholt worden sein, von dem man sich eine Verbesserung der Onlineshoppingdienste bei WeChat erhofft.

Laut einem Bericht von L2 Think Tank, sind die Messaging-Dienste WeChat und Line die am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke der Welt. Das Marketingpotenzial erhöht sich folglich für das Unternehmen Tencent so stark, wie das soziale Netzwerk wächst. Das haben auch die Werbekunden erkannt und setzen verstärkt auf Mobile Messenger auf Nutzerbasis, um Werbung zu schalten. Die Zahl der Nutzer, die WeChat neu für sich entdecken, steigt jährlich um 500 %. Es sind derzeit 600 Millionen Nutzer.

Ein weiterer Bereich, in dem Tencent mit Alibaba konkurriert, sind die Finanzen. WeChat hat angekündigt eine Kooperation mit der China CITIC Bank und dem Versicherungsunternehmen Zhong einzugehen. Es bestehen Kreditkarten, die im Messenger verwendet werden können. Am gleichen Tag gab Alibaba gleiche Pläne für sein Zahlungssystem AliPay bekannt.

WeChat Kreditkartenzahlung vs. AliPay

1)Beide neuen Karten unterstützen Online- und Mobilzahlungen per Smartphone. Bei den Kreditkarten von WeChat besteht der Vorteil, dass sie auch vor Ort in Geschäften durch das Scannen von QR-Codes genutzt werden können.

2) Beide Angebote ersetzen die physische Kreditkarte.

3) AliPay startet bei 200 Yuan (32 Euro), während WeChat drei Stufen anbietet: 50, 200 und 1000 bis hin zu 5000 Yuan, immer in Abhängigkeit der Bonität des Benutzers, außerdem keine Jahresgebühr und 50 Tage zinsfreies Zahlungsziel.

Was erwartet beide Unternehmen in der Zukunft?

In der vergangenen Zeit haben sich Meldungen über ständig neue Unternehmensbeteiligungen und Projekte beider Unternehmen, sowohl Tencent, als auch Alibaba, gehäuft. Deutlich wurde die Dynamik beider Konkurrenten, ihren Marktanteil zu vergrößern. Die Konflikte beider Unternehmen nahmen solche Formen an, die nicht immer Fairplay waren. Da wurden beispielsweise Seiten von Alibaba nicht mehr angezeigt und umgekehrt. Laiwang und WeChat sperren sich gegenseitig und stoppen den Austausch von Inhalten, die ganz eindeutig als Kampfansagen der Unternehmen für die Vorherrschaft im E-Commerce sind.

Alibaba kann auf Tmall, Taobao und deren viele Nutzer zählen. Außerdem wird mehr Zeit und Geld in Alipay Wallet und das Hinzufügen neuer (möglicherweise sozialer) Features investiert. Tencent baut WeChat verstärkt aus. Grundsätzlich kann man sagen, dass Alibaba (noch) erfolgreicher und profitabler ist, jedoch weiß keiner, ob es morgen dabei auch bleiben wird.

Sina Weibo

Sina Weibo ist ein Microblogging-Dienst, der gemeinhin als chinesischer Klon von Twitter gilt. Trotz der Tatsache, dass Sina Weibo in erheblicher Weise von chinesischen Behörden zensiert wurde, nutzten ihn viele User als Kommunikationsplattform, auch zum Austausch sozialer und politischer Themen. Weibo ist vielleicht nicht die profitabelste, aber sicherlich eine der bedeutendsten sozialen Plattformen Chinas.

Sina Weibo Logo

Sina Weibo Logo

 

In Brancheninternen Kreisen sieht jedoch kaum jemand eine echte Konkurrenz oder gar Bedrohung von Weibo für WeChat. Das liegt nicht nur an der deutlich niedrigeren Nutzerbasis von 129 Millionen bei Weibo, gegenüber 355 Millionen bei WeChat, sondern auch aufgrund der breitesten Funktionalität, die Instant Messenger anbieten können.

Wie „chinesisches Facebook“ den Kampf gegen „chinesische WhatsApp“ verlor

Auch deshalb haben manche potenzielle Investoren Zweifel an einem Erfolg des bevorstehenden Weibo Börsengangs. Als Beispiel gibt man häufig das andere ziemlich misslungene IPO vom „chinesischen Facebook“ namens Renren. Innerhalb des ersten Jahres nach IPO fiel der Aktienkurs von den anfänglichen 16 US-Dollar auf knapp 3 US-Dollar.

Renren Logo

Renren („chinesisches Facebook“) Logo

 

Nach und nach bevorzugten große Marken Weibo als Plattform für ihre Werbemaßnahmen und die jüngere Generation, die die Zielgruppe des chinesischen Facebook war, änderte ihre Präferenzen zugunsten der „chinesischen WhatsApp“ WeChat. Vielleicht auch deshalb hatte Mark Zuckerberg eine „19 Milliarden US-Dollar große Angst“ vor seinem mobilen Konkurrenten.

Facebook und WhatsApp Logo

Facebook und WhatsApp Logo

 

Doch das „chinesische Twitter“ hat Ersatzstrategien, wie das virale Marketing, und wird auch in der Zukunft der Vorherrschaft von WeChat sicherlich die Stirn bieten. Zu den neuesten Geschichten gehört eine öffentliche Entschuldigung des beim Fremdgehen erwischten chinesischen Schauspielers Wen Zhang an seine Frau. Das Foto der schriftlichen Entschuldigung brachte es innerhalb kürzester Zeit auf mehr 2 Millionen Kommentare und 1,2 Millionen Retweets.

Ein weiterer Grund ist Alibaba mit seiner riesigen Nutzerbasis. Im April 2013 hat der chinesische E-Commerce-Riese 586 Mio. US-Dollar in das soziale Netzwerks investiert und erhielt dafür 18% Anteile. Im kommenden Börsengang will das Unternehmen 500 Mio US-Dollar einsammeln, aber die Frage ist die, ob Investoren, die sich noch an die traurige Erfahrung mit Renren erinnern können, auch anbeißen werden.

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