Es hat für einiges an Wirbel gesorgt, erneut die Börsenwelt in Erstaunen versetzt und neue Fragen aufgeworfen. Der letzte Börsengang von Alibaba am Ende einer Kette vorheriger IT-Unternehmen. Wie kann es möglich sein, dass reine Onlineunternehmen, die weder produzieren und oftmals nur als Handelsplattformen oder Dienstleister dienen, nicht mehr und nicht weniger, ein so hohes Maß an Kapitalisierung erzielen können?

IPO IT-Unternehmen
IPO IT-Unternehmen

 

Freilich haben andere, ebenfalls reine IT-Unternehmen, Börsengänge beschritten und erstaunlichen Erfolg dabei gehabt, mit Kapitalisierung, wie sie von anderen nicht IT-Unternehmen nicht einmal erträumt werden. Alibaba ist jetzt 167,8 Milliarden US-Dollar wert! Aber welche Signale gehen davon aus und wie reagieren Börsen und Anleger?

Die größten Börsengange des Online-Business

Aufgrund des großen Börsengangs von Alibaba rufen wir in Erinnerung, wie es IT-Unternehmen in den letzten Jahren gelungen ist, die Aufmerksamkeit der Aktienanleger zu gewinnen.

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Alibaba
Gründungsjahr: 1999
IPO: September 2014
Mittel angezogen: 21,8 Mrd. US-Dollar
Unternehmensbewertung nach dem Börsengang: 167,8 Mrd. US-Dollar
Kapitalisierung jetzt: 167,8 Mrd. US-Dollar

Alibaba Börsengang
Alibaba Börsengang

 

Alibaba ist spezialisiert auf den Online-Handel und wurde auf 167,8 Milliarden US-Dollar Unternehmenswert geschätzt. 13 Prozent des Unternehmens wurden in Form von Aktien gehandelt. Zu den abgebenden Aktionären zählen Yahoo, Softbank und Gründer Jack Ma, der damit 867 Millionen US-Dollar verdient hat. Der Ausgabepreis der Aktien betrug ursprünglich 60-66 US-Dollar, wurde aber, aufgrund der hohen Nachfrage, auf 66-68 US-Dollar nach oben korrigiert.

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Die Alibaba Group wurde 1999 vom Chinesen und ehemaligen Lehrer Jack Ma gegründet, der zu den reichsten Männern Chinas gehört. Man geht davon aus, dass die Alibaba Group rund 80 Prozent des chinesischen E-Commerce Marktes steuert. Das Geschäftsjahr 2013 konnte das Unternehmen mit 231 Millionen aktiven Kunden abschließen. Der Gesamtumsatz der Alibaba Group betrug 248 Milliarden US-Dollar.

Alibabas Umsatz betrug 2013 6,5 Mrd. US-Dollar, der Reingewinn: 2,8 Mrd. Ca. 90% des Umsatzes macht Alibaba in China, 10% im Ausland, beispielsweise in Russland

Facebook
Gründungsjahr: 2004
Börsengang: Mai 2012 (NASDAQ)
Mittel angezogen 16 Mrd. US-Dollar
Unternehmensbewertung nach dem Börsengang: 104 Mrd. US-Dollar
Kapitalisierung jetzt: ca. 200 Mrd. US-Dollar

Facebook Börsengang
Facebook Börsengang

 

Wenn der Börsengang des weltweit größten sozialen Netzwerkes durchgeführt wird, ist das immer noch etwas Besonderes auf dem Börsenparkett. Facebook CEO Mark Zuckerberg kündigte bereits 2009 einen solchen IPO an, bekräftigte aber dabei, dass er und sein Team keine Eile damit habe.

Der eigentliche Börsengang verlief jedoch in keiner Weise so reibungslos wie er eigentlich sein sollte. Dabei war die anfängliche Stimmung, mit der dementsprechenden Erwartungshaltung angereichert, durchaus positiv. Die Facebook-Aktie war übermäßig nachgefragt, dadurch kam es zu einer verspäteten Ausgabe von einer halben Stunde. Weiterhin hatten die Makler technische Probleme bei der Bearbeitung. Heute geht man davon aus, dass technische Fehler letztendlich für einen Verlust von einer halben Milliarden US-Dollar ursächlich waren.

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Der Run auf die Aktien war vielversprechend und der Kurs überstieg den Ausgabepreis, fiel aber darauf wieder. In den folgenden drei Monaten verlor die Aktie zum Teil 50 Prozent an Wert und konnte sich erst 2013 wieder auf Ausgabeniveau nähern.

Heute steigen Facebook-Aktien ganz stetig. Im September 2014 brach die Marktkapitalisierung von Facebook zum ersten Mal die Marke von 200 Milliarden US-Dollar.

Google
Gründungsjahr: 1998
Börsengang: August 2004 (NASDAQ)
Mittel angezogen: 1,9 Mrd. US-Dollar
Unternehmensbewertung nach dem Börsengang: 23 Mrd. US-Dollar
Kapitalisierung jetzt: ca. 396 Mrd. US-Dollar

Google Börsengang
Google Börsengang

 

Selbst beim Börsengang von Google blieben Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin Nerds! In den Angaben zur geplanten Emission wurde als Ziel $2.718.281.828 angegeben – was nichts anderes ist, als die die ersten Ziffern der mathematischen Konstante „e“.

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Die Ausgangsvoraussetzungen waren dabei nicht die Besten, denn es herrschte eine allgemeine Stagnation des Marktes vor, was sich ebenfalls am NASDAQ bemerkbar machte. Die Macher von Google hatten sich schon im Vorfeld eine praktikable Lösung und Plan für die Ausgabe der Aktien überlegt, die eine gewisse Bevorrechtigung bei der Ausgabe der Aktien ermöglichte. Das war relativ einzigartig in der Form.

Die Aktien sollen in Form einer Online-Auktion an die potentiellen Investoren gebracht werden. Durch die Online-Platzierung wollte Google in erster Linie den Einfluss der Investmentbanken beschränken.

Heute haben sich Googles Geschäftsfelder erheblich erweitert. Das Unternehmen liegt auf dem dritten Platz aller amerikanischen Unternehmen, wenn man die Marktkapitalisierung betrachtet. Während in den Zeiten vom Google-Börsengang man von Google als von einer reinen Suchmaschine sprechen konnte, hört sich das heutzutage geradezu beleidigend an. Zu Googles Geschäftsfeldern gehören unter Anderem mobile Geräte, Elektronik, „Smart Home“-Technologien, autonome Fahrzeuge, und vieles mehr.

Twitter
Gründungsjahr: 2007
Börsengang: November 2013 (NYSE)
Mittel angezogen: 1,82 Mrd. US-Dollar
Unternehmensbewertung nach dem Börsengang: 14,1 Mrd. US-Dollar
Kapitalisierung jetzt: etwa 31 Mrd. US-Dollar

Twitter Börsengang
Twitter Börsengang

 

Der Schrecken des mit Pannen gesäumten Börsengangs von Facebook vor Augen, wollten die Macher von Twitter diese Fehler keinesfalls wiederholen und alles sehr viel besser machen. Hierzu wurden schon ein paar Wochen vor Börsengang Simulationen und Stresstest am NYSE (New York Stock Exchange) durchgeführt, um die technischen Gegebenheiten zu prüfen. Das bezog sich sowohl auf Hard- und Software.

Am ersten Handelstag stiegen die Aktien vom Ausgabepreis von 26 US-Dollar sprunghaft auf 50 US-Dollar an, was viele an die Dotcom-Blase Zeiten erinnerte.

Der Optimismus der Investoren schwächte sich erstmalig ab, als erste Meldungen über Verluste des Unternehmens über die Nachrichten-Ticker liefen. Im vierten Quartal 2013 betrugen sie 511 Mio. US-Dollar. In der gegenwärtigen Marktsituation, mit viel Konkurrenz, gerade im Mikro-Blogging-Bereich, sucht Twitter nach neuen Möglichkeiten der Monetarisierung, wie der vor kurzem eingeführte „Kauf-Button“.

Yandex
Gründungsjahr: 2000
Börsengang: Mai 2011 (NASDAQ)
Mittel angezogen: 1,3 Mrd. US-Dollar
Unternehmensbewertung nach dem Börsengang: 8 Mrd. US-Dollar
Kapitalisierung jetzt: ca. 9,8 Mrd. US-Dollar

Yandex Bürokomplex in Moskau
Yandex Bürokomplex in Moskau. Bildquelle: flickr / Фотобанк Moscow-Live.ru / CC BY 2.0

 

Unter den russischen IT-Riesen kann Yandex auf einen sehr erfolgreichen Börsengang blicken. Man hat ebenfalls NASDAQ und, nach Expertenmeinung, in
gesamtwirtschaftlicher, aber auch unternehmerischer Sicht, den richtigen Zeitpunkt für einen Börsengang gewählt.

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Dabei war man schon mit dem Börsengang beschäftigt und in der Planungsphase befindlich, als sich 2008 die Weltwirtschaftskrise manifestierte und nahezu alle Wirtschaftsbereiche einzuholen drohte. Im Unternehmen reifte in dieser Zeit der Entschluss deshalb den eigenen Weg an die Börse doch noch zu verschieben und das Problem auszusitzen. Wie sich herausstellte, erwies sich dieser Entschluss als goldrichtig. Schon drei Jahre später war der Zeitpunkt gekommen, um ein Aktienpaket von 16 Prozent des Unternehmens zu lancieren.

Yandex ist sehr erfolgreich auf dem heimischen Markt, die derzeitige politische Situation in Russland hat sich jedoch zu einer Krise ausgeweitet, die auch die Börsen nicht unbeeindruckt lassen. In Folge reagieren die Börsen und die Aktien fielen im Frühjahr 2014 unter Ausgabepreis des Börsengangs.

Zynga
Gründungsjahr: 2007
Datum des Börsengangs: Dezember 2011 (NASDAQ)
Mittel angezogen: 1 Mrd. US-Dollar
Unternehmensbewertung nach dem Börsengang: 7 Mrd. US-Dollar
Kapitalisierung jetzt: ca. 2,6 Mrd. US-Dollar

Zynga Börsengang
Zynga Börsengang

 

2011 kam der Börsengang für Zynga. Der größte Entwickler von browserbasierten Spielen hatte dabei rund 14 Prozent in Aktien zum Ausgabepreis von 10 US-Dollar pro Aktie platziert. War der Börsengang des Unternehmens reibungslos, hat es dem Unternehmen nicht den nötigen Anschub gegeben.

Neben der erhöhten Aktivität und Konkurrenzsituation am Markt der Online-Spiele für Facebook, welcher die Haupteinnahmequelle für Zynga ist, musste das Unternehmen in mehrere Gerichtsverfahren mit Konkurrenten gehen, die das Unternehmen des Ideenklaus beschuldigten.

Nach und nach hat sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens um mehr als 65 Prozent abgebaut, was zu Stellenabbau im Unternehmen führte. Gefeuert wurde fast jedem fünften Mitarbeiter. Nachfolgend gab auch Unternehmensgründer und CEO Mark Pincus das Heft an einen Nachfolger weiter.

Wie man sieht, ist nicht jeder Börsengang von IT-Unternehmen von Erfolg gekrönt und teils gehen einstmals überbewertete Unternehmen verlustreich aus dem Aktiengeschäft. Dennoch kann man, insbesondere in der letzten Zeit, immer wieder reine IT-Unternehmen sehen, die eine Kapitalisierung erzielen, die nach normalen Maßstäben kaum noch nachzuvollziehen ist. Aber vergessen wir nicht, wie kurz die Halbwertzeiten reiner IT-Unternehmen sein können.

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